ATWI mischen Emo, Punk und Pop zu einem wunderbaren Cocktail. Mighty
Mighty Bosstones,
Lagwagon, Donots, Pale oder That Very Time I Saw
supportet, insgesamt rund 250 Shows in den
letzten zwei Jahren gespielt und dürften so mit wohl
jedem Menschen, der dieses Musik-Genre mag,
ein Begriff sein. Nun liegt endlich ihr
lang erwartetes Debüt-Album namens "The Punch And Judy Show"
vor und da wir auch noch ein gemeinsames Konzert
spielen, nahm ich das zum AnlassSchlagzeuger
Moppi ein paar Fragen zu stellen. Beantwortet hat er
die auf der Rückreise nach Hannover, von einem
Videodreh und Konzi kommend. Nicht immer ganz ernst zu
nehmen,...;)
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Ich komme da etwas durcheinander: Man las,
das ihr bisher zwei EP's veröffentlicht habt und zwar "Earlier That Day A Car Passed
By" und "No Need To Worry She´s Already Dead", mit "The Punch And
Judy Show" kommt jetzt Euer Debut-Album. Was genau ist dann "Pilots Over
Paris", das ja auch 2004 auf den Markt kam, so weit ich weiß. Ein Album extra für
US/J und das europäische Ausland, oder wie hat man das zu verstehen ? atwi: Du bringst es auf den Punkt. "Pilots Over Paris" ist nur eine
mit unveröffentlichten Songs aufgefüllte EP, die wir in Japan veröffentlicht
haben um tierisch reich zu werden und als Spielzeug-Puppe auf dem asiatischen Markt zu
erscheinen. |
Bleiben wir noch etwas bei
Euren Veröffentlichungen. So wohl die EP's, als auch "Pilots Over
Paris" und "The Punch And Judy Show" sind jeweils alle
bei einem anderen Label erschienen.
Wie kommt es dazu, das Ihr so oft die Plattenfirma gewechselt habt ?
Aber wenn ich das richtig
sehe, vertreiben und promoten Euere alten Labels noch Eure jeweiligen
Releases dort, oder ?
Also, habt Ihr die gar nicht so richtig verlassen, veröffentlicht nur
auf mehreren Labels ?
atwi: Der Deal mit Rockhit
Records ist unser erster richtiger "Plattenvertrag" in Deutschland.
Die EP "Earlier That Day A Car Passed By" brachten wir auf
"My Favourite Toy Records"
raus, unsere zweiter EP erschien auf dem Label eines guten
Freundes von uns, dessen Namen
wir aus gerichtlichen Gründen weder aussprechen, noch hier nennen
dürfen. Ihm gehören auch
heute noch Grossteile unserer Seelen.
In Siegburg geben wir ja
zusammen am 10.12 ein etwas anderes Konzert. Da die Leser nicht
wissen, was genau gemeint ist: Ihr werdet ja an diesem Abend bei so
einer so genannten
"Lesung mit Punk-Konzert" aufspielen. Ein teil des Programms
wird sein, das ich lese und
dabei im Wechsel von dem Singer/Songwriter Lubo begleitet werde, der
seine Stücke auf der
Akkustik-Gitarre zum besten gibt. Wie stellt Ihr Euch das vor ? Habt
Ihr Erwartungen an uns,
das Publikum, die Show ? Was denkt Ihr so ?
atwi: Wir sind auf jeden
Fall gespannt, auch wenn zwei Drittel von uns nicht lesen können.
Die werden sich freuen, wenn Ihnen etwas vorgetragen wird, was auch
noch mit Musik
angereichert ist. Von dem Publikum erwarten wir hauptsächlich, das man
sich nicht so laut zu
prostet, dass man von dem literarischen Inhalt nichts mehr
versteht.
So viel mit Literatur hat
das ja nicht zu tun. Ich lese halt, aber ich denke, man merkt das ich
gerne Musik machen würde, nur total unfähig bin hehe. In eine
Buchhandlung oder Bücherei
würde ich niemals reinpassen. Ich lese deswegen auch nicht wirklich,
so gut wie nie. Das
überrascht viele, die wissen, das ich Bücher schreibe und
herausbringe. Wie ist das bei Euch,
Lesemuffel oder Leseratte ? Was denn so und interessiert Ihr Euch noch
aus dem
breitgefächerten Bereich "Kunst" ?
atwi: Wir lesen viel.
Unterwegs zum Grossteil Magazine über Trucks und Waffen, aber auch
die Anleitungen von Instrumenten oder Werkzeugen. Der einzige, den ich
jemals mit einem
echten Buch ertappt habe, ist Jan, unser Bassist. Er ist es auch, der
uns beigebracht hat, das
man Essen muss und wie man sich in der Tanzschule verhält. Über Kunst
hat jeder von uns
seine eigene Meinung. Für den Einen ist es Kunst, wenn er pünktlich
zum verabredeten
Treffpunkt kommt, der Andere entwirft selbstdesignte Bügel für
Socken.
Lagwagon, Mighty Mighty
Bosstones, Donots ... als Vorgruppe solcher bekannten Bands ist
es doch bestimmt aufregend, zumindest beeindruckend. Was war denn der
tollste Support-Gig,
ohne jetzt wen in den Pfanne zu hauen. Natürlich ;) Nein, weiß nicht,
sollte man schon sagen,
wenn was blöd lief. Sind die auch alle so, wie man sie so
"kennt" ? hehe
atwi: Bei einzelnen
Support-Shows kriegt man die "großen" Bands oft gar nicht zu Gesicht,
daher muss ich mit Gerüchten passen. Schlechte Erfahrungen hatten wir
bisher noch nicht,
aber ein Moment, der uns im Gedächtnis bleibt, ist Bryan Adams, der
vier Security-Guards
benötigt, um nach dem Konzert den Weg von der Bühne in seine eigene
Limousine zu finden...
andthewinneris, ist ja ganz
sicher nur Euer Hobby. Sonst macht ihr das übliche, Studium,
Ausbildung, Beruf ? oh, da kann ich ja gleich noch eine Frage mit
reinnehmen: ist doch euer
Ziel davon leben zu können und die band irgendwann mal quasi
hauptberuflich zu machen ?
Klingt bescheuert, aber es gibt dann doch genug bands die, so gar wenn
sie die Möglichkeit
hätten es anders zu machen, Ihre Band immer schön auf einem kleinen
Level lassen und dann
doch mehr Zeit in einen "richtigen" Beruf und Familie
investieren. deswegen die Frage.
atwi: Die Entwicklung
zeigt, dass die Band mehr Zeit beansprucht, als sie es zur Gründungszeit
tat. Jeder von uns kriegt in der Woche eine Latte Aufgaben, um die er
sich zu kümmern hat.
Ist Freitagabend Punkt 20.00h nicht alles geschafft, wird um die
Foltermethode gewürfelt, die
der oder den betreffenden Person droht. Die organisatorische
Seite der Band gehört ebenso
dazu, wie Songs schreiben und Konzerte spielen und bedeutet viel
Arbeit. Allerdings haben
wir nebenbei noch normale Jobs, damit wir uns die teuren Tunig-Teile
für unseren Band-Bus
leisten können.
Wie weit würdet Ihr
eigentlich Euer Ding, also die Band + alles was dazugehört in andere
Hände geben, Entscheidungsfreiheit abgeben, wenn Ihr davon im Gegenzug
... sag ich mal 'nen
besseren Plattendeal, einen Tour-Support-Slot für eine größere Band
oder mehr
Medienpräsenz hättet.
atwi: Da gibt es keine
offizielle Eingrenzung. Wir sehen zu, dass die Entscheidungen die für uns
wichtig sind, wie zum Beispiel die Preise und Designs unseres
Merchandises oder das
Coverartwork auf jeden Fall zu 100% in unserer Hand bleiben. Sonst
diskutieren wir Vor-
und Nachteile, wenn wir ein Angebot oder eine Verpflichtung eingehen.
Meist endet das mit
blauen Flecken oder Geiselnahmen.
Ihr skatet oder ?
atwi: Wir versuchens
und es macht uns Spaß. Einige Leute sind auch nur in der Band um das
Modeimage zu erhöhen und die Band auf Fotos besser aussehen zu lassen.
Unser Gitarrist
Beppo zum Beispiel ist auf einer Fotokampagne des Modehauses
"H&M" in vielen
Bushaltestellen zu sehen.
Emo ist mittlerweile wohl
das, was vor ein paar Jahren noch Nu-Metall, davor Crossover oder
Anfang der 90er Grunge war: Ein viel zu überstrapazierter Begriff, den
nicht jeder verdient hat,
der mal eben auf den fahrenden Zug aufspringt. Aber irgendwie brauch
man sie ja doch, die
Kategorisierungen, um irgendjemand der eine Band nicht kennt, deren
Soundnäher zu bringen
zum Beispiel. Wie würdet Ihr Euch denn selber definieren und
Vergleiche ziehen, ist ja dann
doch besser, als wenn das die Presse macht und dabei irgend einen
Scheiß verzapft.
atwi: Wir machen Musik Wie
wir klingen und mit wem man uns vergleicht, soll jeder für sich
entscheiden. Auf der Hitliste stehen Samiam, Donots, Movielife, Ataris,
Alkaline Trio. Diese
Vergleiche fassen wir als reines Kompliment auf.
Es hat ja Recht lange
gedauert, bis Euer erstes Album erschien. In div. Besprechungen eurer
EP's las ich, das es wohl noch nicht ganz für einen kompletten
Longplayer reicht, Ihr noch zu
wenig Euren eigenen Stil gefunden habt. Nicht schlecht, aber auch nicht
herausstechend seit.
Oder um es mit einem Zitat zu sagen, das "hinter den witzigen,
langen Songnamen nichts
besonderes steckt". Könnt Ihr solche Kritik teilen, habt Ihr Euch
vielleicht deshalb etwas mehr
Zeit gelassen, um noch mehr an ausgefeilten Songs arbeiten zu können ?
Inwieweit berühren
Euch solche Äußerungen wie oben genannt und haben Einfluss auf die
Bandarbeit ?
atwi: Wir können es nicht
jedem Recht machen und das wird keine Band/kein Künstler
jemals können. Wir sind mehr als zufrieden mit den bisherigen
Erfolgen, die wir zusammen als
Band erreicht haben. Wenn jemand auf einem Konzert applaudiert oder
eine CD kauft, fühlt
man, dass man als Band etwas getan hat, was mehr Leuten Spaß macht,
als denen, die auf
der Bühne stehen.
Ihr seit, so weit ich
weiß, ja alle Vegetarier, oder ? Heißt das für Euch nur einfach das
konsumieren von Fleisch ablehnen, oder ist das auch eine Meinung die
Ihr mit Hilfe der Band
oder Abseits davon vertretet ? Auf Tierrechts-Demos/Soli-Konzerten
spielen, Magazinen wie
zum Beispiel Voice oder Tierbefreier Interviews geben, vielleicht so
gar dieses Thema in Songs
/ Auf Konzerten ansprechen, Gruppen einladen ?
atwi: Nicht ganz richtig.
Ein Teil von uns lebt fleischlos, aber wir sehen uns nicht als Botschafter
für ein vorgeschriebenes Handeln. Wir akzeptieren Leute, die ein
Drogen freies Leben wählen
genauso, wie solche, die meinen, nicht ohne totes Tier leben zu
können. Ich persönlich kann
mich nicht mit der Sorte Besserwisser abfinden, die dir aufs Maul hauen
wollen, wenn du
"Steak" sagst, oder mit einem "Good Clean
Fun"-T-Shirt auf ein Dropkick Murphys Konzert
gehst. Wichtig ist, dass man lernt zu respektieren, wenn man erwartet,
respektiert zu werden.
Daneben oder vielleicht nur
bei anderen Themen, interessiert und engagiert Ihr Euch in
dem politischen Bereich ... in welcher Weise und Wo ? ... ich sag mal
... etwas über das
durchschnittliche Politik-Interesse hinausgehend. Also, mehr als
Zeitung lesen und Nachrichten
schauen und im Freundeskreis ab und zu darüber sprechen ?
atwi: Jetzt hast du uns bei
den Eiern. Wir lernten uns teilweise auf der Waldorf-Schule kennen,
also dürfen wir weder Fernsehen gucken, noch Freunde haben. Jeder von
uns steuert seinen
Teil einer politischen Meinung bei, doch tun wir das kaum in Form von
Demo-Besuchen oder
als Teil einer politischen Gruppierung. Ich möchte nichts Offensives
oder Allgemeingültiges
behaupten, doch in meiner Vergangenheit stand ich in Kontakt mit linken
Organisationen
und Leuten mit eingefahrenen politischen Ansichten. Ich kann zumindest
von diesen Leuten
behaupten, dass sie oftmals unbewusst und uninformiert zu Handlungen
bereit waren, mit denen
sie sich vorher nicht selbst auseinander gesetzt hatten. Sie handelten
praktisch nach einem
Stempel, der sich auf ihrer Stirn befand und nachdem sie beurteilt
wurden. Das Prinzip "Wenn
ich sage spring, dann spring!" und keine aufklärende
Situationsbeschreibung oder Diskussionen
zu den Themen, zu denen sie ihre Stimme erhoben, war klar überlegen.
In so einer Form kann
ich politisches Interesse nicht gutheißen. Jeder Mensch hat die
Möglichkeit, sich über
Hintergründe und Inhalte zu informieren und anschließend mit
Personen seiner Wahl darüber
zu reden. Das ist die Handelsweise, die bandintern bei uns
zutrifft.
Privat laufen bei Euch doch
ganz sicher Sachen, die total anders sind als die Musik die ihr
macht und die man nicht von Euch erwartet. Was zum Beispiel wäre
das?
atwi: Da wir bald alle ohne
Privatsphäre in einer Berliner WG wohnen werden, ergänzen sich
die Musikgeschmäcker zu einem riesigen tödlichen Fegefeuer aka. NWA
meets Bonnie Tyler
meets Scorpions meets Truck Stop + einen Schuss Die Prinzen a capella
und das Ende der
Welt sei vorherbestimmt.
Ich gebe Euch jetzt einen
Begriff vor und Ihr macht dazu ein bisschen Brainstorming, okay ?
Turbostaat
atwi:
- Wort mit 10 Buchstaben
- Nomen
- besitze ich eine CD von
- hab diese noch nie gehört
- kommen aus Spanien, wenn ich nicht irre...?
- rückwärts ausgesprochen: Tatso-Brut (könnten fiesen Metal
machen)
So weit meine Fragen, besten Dank dafür.
Bitte, der moPPi
text: Kevin
Goonewardena // www.emopop.net
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