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    hOT WATER MUSIC INTERVIEW

     Beim Konzert im Exhaus in Trier hatte ich Gelegenheit mit Chris, Frontman  von Hot Water Music, kurz vor Konzertbeginn noch ein Weilchen zu plaudern. Trotz üblichen Zeit- bzw. Ablaufproblemen der Konzertvorbereitungen kam es zu einem recht netten Gespräch....
...und das sind die Jungs:
Chuck Ragan - Vocals, Guitar
Chris Wollard - Vocals, Guitar
Jason Black - Bass
George Rebelo - Drums

    

    FRK: Hallo Chris, schön, dass es doch noch mit dem Interview funktioniert, und da verdammt 
    viele Fragen an Hot Water Music bzw. Dich die schon irgendwann irgendwo beantwortet 
    wurden und es jeder den es interessiert einfach nachlesen kann, muss es oftmals ein wenig 
    langweilig sein auf diese Fragen zu antworten.  

    CHRIS: Ja, es nervt manchmal schon....zum Beispiel Dinge wie: “ Erzähl doch mal eine 
    verrückte Tourstory.“ „Hey Mann, ich war jetzt fünf Jahre auf  Tour, ist das verrückt genug?“ 
    deswegen macht Jason auch die meisten Interviews. 

    FRK: Ja da habe ich auch einige Dinge gelesen auf die ich vielleicht noch mal gern kurz 
    eingehen will. Wie ist das zum Beispiel jetzt mit dem Touren? Ist es gerade cool? 

    CHRIS: Weißt du, wir haben jetzt nur noch drei Shows, dann einen Monat Pause, Studio 
    für sechs Wochen; eine Woche Konzerte im Sommer. Also nach Donnerstag nur noch ca. 
    8 Shows bis September. Das ist ein halbes Jahr und alles recht entspannt. 

    FRK: Habt ihr das bewusst so geändert? Ihr wolltet euch doch unter anderem deswegen auch 
    damals trennen, oder?

    CHRIS: Nö, das ist Bullshit.  Wir haben uns einfach die ganze Zeit gestritten. Es gab Streit 
    wegen jedem Mist, bis wir nicht mal mehr eine Art „normale Freundschaft“ pflegen konnten. 
 
    FRK: War das eben weil ihr so viel Zeit zusammen verbracht habt?

    CHRIS: Nein, eigentlich nicht. Wir haben uns gegenseitig unter argen Druck gesetzt und uns 
    das Leben nicht leicht gemacht.

    FRK: Was das Musikmachen anging oder allgemein?

    CHRIS: Bei uns ist das eine Art Hochzeit unter ein paar Männern, und es betrifft einfach 
    alle Lebensinhalte. Auch wenn da jemand aussteigen würde, gäbe es HWM nicht mehr. 
    Das funktioniert alles nur in genau dieser Kombination. So lieben und so hassen wir uns. 
    Wir leben teilweise in unterschiedlichen Orten, aber zum Proben kommen wir dann alle 
    heim, nach Gainsville. 

    FRK: Ist diese Stadt und die ansässige Szene (No Idea Records, As Friends Rust...), 
    wenn man es so nennen mag, wichtig für Dich, oder Euch?.  

    CHRIS: Ich lebe dort seit zehn Jahren und habe es tief in mein Herz geschlossen. Die Stadt 
    hat großen Einfluss darauf gehabt, wer wir alle sind, im Einzelnen und als Band. Hier sind viel 
    schöne Plätze die ich mag. Ich will nicht sagen, dass ich hier für immer und ewig bleiben 
    möchte, aber es ist eine coole Stadt. 

    FRK: Etwas anderes. Wie siehst du Eure Entwicklung als Band? Was denkst Du dazu, dass 
    diese „Emo-Bewegung“ größer und größer wird? 

    CHRIS: Das ist eine Sache, die aus meiner Sicht nur im Ausland anders geworden ist. In 
    Amerika hat sich an unsrem Bekanntheitsgrad nichts verändert in den vergangen Jahren. 
    Wir touren fast mehr im Ausland als zu Hause. Alleine drei mal in Australien in ein-ein halb 
    Jahren. Dort und auch in Europa gibt es eine regelrechte „Emo Explosion“. 

    FRK: Mir ist irgendwie auch aufgefallen, dass in größeren Städten die Venues immer größer 
    werden und es hier und da richtige Hardcore-Fans gibt die richtig krass abgehen. Andererseits 
    scheinen sich immer wieder irgendwelche Leute zu euren Konzerten zu verirren, die 
    augenscheinlich mit Szene oder Style nicht viel am Hut haben, Bier trinken  und sich amüsieren.

    CHRIS: Und das ist eigentlich das Schönste was ich beim Musik machen erlebe. Neue 
    Menschen! Wir wollen nicht, dass unsre Songs nur von einer Sorte Mensch gehört werden. 
    Es ist gut wenn neue oder andere Leute etwas daran finden können. Deswegen machen wir 
     Platten, damit man sie sich anhören kann. Here it is, take it or leave it. Das ist ein interessantes
    Thema… vor kurzer Zeit war ich noch mal bei einem Green Day Konzert. Ich kenne diese 
    Band seitdem ich fünfzehn war und habe sie damals schon in kleinen Clubs vor hundert Leuten 
    gesehen. Und jetzt sind sie Freunde von uns und ich gehe zu einem ganz normalen Konzert von 
    denen zusammen mit Blink182 in diese riesige Arena. Da waren 15 oder 20 tausend Menschen
    und ich dachte nur: Pauuuhh, das ist wirklich etwas anderes jetzt und hier. Aber ich hatte Spaß 
    und die anderen dort auch. Also ist es ok. 
 

    FRK: Jason hat in einem Interview
    gesagt, das die Einflüsse bei der 
    Entstehung eines HWM Songs oder 
    Album sehr sehr unterschiedlich 
    sein können. Und auch, das es im 
    Grunde von Platte zu Platte die 
    kleinen oder großen Dinge im 
    Leben sind, die in der Zwischenzeit 
    passieren und das dann die Musik

    prägt. 

    CHRIS: Genau so ist es. Es sind 
    Leute die wir treffen, Bücher die ich 
    lese. Alles mögliche was passiert. 
    Es sind oftmals dieselben Menschen 
    oder Freunde die immer wieder 
    und wieder in unserer Musik 
    auftauchen. Immer in anderen 
    Situationen oder Ereignissen in 
    ihrem Leben. 

    FRK: Ihr steht jetzt kurz vor neuen Aufnahmen. Was gab es in der letzten Zeit, was dich 
    geprägt hat, dir wichtig war oder geworden ist? 

    CHRIS: Ich habe in der letzten Woche ein wirklich gutes Buch gelesen: „The Passion“. 
    Der Name der Autorin fällt mir leider nicht ein. Aber das hat mich in der letzten Woche 
    beeinflusst. Sie hatte einige sehr gute Gedanken die vergleichbar sind mit dem wie ich mich 
    gerade fühle. Ja und während ich es las, habe ich auch viel geschrieben. Also wird es 
    zwangsläufig auch einen gewissen Teil einnehmen. Aber weißt du, es sind so viele Sachen. 
    Wir sind noch drei Tage unterwegs, und  mein Leben wird für die nächsten sechs Monate 
    vollkommen anders sein. Ich frage mich zum Beispiel was ich am kommenden Wochenende 
    machen werde und so weiter. Alles wird anders sein. Ich möchte zu hause sein. Mein 
    Familienleben wieder in Gang bringen. Aber ich werde schreiben in dieser Zeit, die 
    Geschichten aufschreiben was alles geschehen ist. Das ist wirklich wild gewesen die letzten 
    Monate. Wir haben gesagt, ok, noch eine US Tour, einmal noch Australien, Europa auch 
    noch mal, und dann war es das für „Caution“. Jetzt kann ich zur Ruhe kommen. Diese ganzen 
    unfertigen Sätze zuende sprechen, Geschichten enden lassen. Das ist ein sehr „verändernder“ 
    und bemerkenswerter mentaler Zustand in dem ich mich dann befinde. Ich weiß nicht, wie 
    Chuck es macht. Aber das ist meine Art des Schreibens. Einfache und alltägliche Geschichten.

    FRK: Vielleicht einfache Geschichten, aber doch Sachen die sonst untergingen?

    CHRIS: Ganz genau. Es sind diese kleinen Dinge die auf einer Karte irgendwie eingezeichnet 
    werden müssen. Auch wenn sie unwichtig sind, es sind die Empfindungen aus einer ganz 
    bestimmten Zeit in deinem Leben. Irgendetwas hat sich verändert. In unserer Musik 
    dokumentieren wir wo wir gerade im Leben stehen, im Kopf, in unseren Herzen. 
    Die Platten sind wie die einzelnen Kapitel zu einem Buch. 

    FRK: Wenn ich da zum Beispiel jetzt an „Caution“ und Titel wie „The Sense“ denke, müsstet 
    ihr euch ja in einer recht guten Phase befunden haben. Es geht fröhlich nach vorne. Etwas 
    leichtfüßiger als bei „A Flight And A Crash“ beispielweise, oder? 

    CHRIS: Hm. Das war eine komische Zeit. Ich muss früher anfangen. „No Division“ ist eine 
    wirklich gut gelauntes Scheibe. Wir waren alle verliebt und hatten ein sehr schönes Leben zu 
    Hause. Dann kam eine schwierigere Zeit in der viele blöde Sachen passiert sind. Deswegen 
    hört sich „A Flight And A Crash“ auch so düster an. Und „Caution“ ist eine Periode in deinem 
    Leben, wie wenn dich gerade jemand niederschlägt und du erst einmal taumelst und realisieren 
    musst, was da eigentlich gerade passiert ist. Das ist „Caution“. Alle reden von Medizin für 
    Krankheiten und von Paradelösungen für Probleme, aber vieles hat einfach damit zu tun, 
    wieder auf die eigenen Füße zu gelangen und auf eigenen Beinen wieder stehen zu lernen. 
    Und in diese Richtung wird es auch weitergehen. Ich fühl mich voller Energie und freue mich 
    auf die Zukunft. Ja und in diesem Jahr wird es auch noch unser zehnjähriges Bandbestehen 
    geben. Es wird ein großes Jahr.

    FRK: Alles Gute Chris und bye bye..... 

    text: jonas.