S.O.I.A. (Köln/ Live
Music Hall, 13.02.01)
...wir unterhielten
uns mit SOIA Bassmensch Craig Ahead.
björn:
Genießt ihr euren Deutschlandaufenthalt?
Craig: Deutschland? In Deutschland zu spielen ist toll! Wir sind immer wieder froh
nach
Deutschland zu kommen. Das deutsche Publikum geht
sehr enthusiastisch mit uns mit.
björn: Anders als in den Staaten?
Craig: Es ist auf jedenfall anders! Die Leute in Deutschland scheinen mehr auf unsere
Musik
einzugehen, sich mehr damit zu beschäftigen
...auch die Holländer sind toll!
Die deutschen und die holländischen Fans sind
sehr enthusiastisch.
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björn:
Anders als in den Staaten? Craig: Es ist auf jedenfall anders! Die Leute in Deutschland
scheinen mehr auf unsere Musik einzugehen, ich mehr damit zu beschäftigen ...auch die
Holländer sind toll! Die deutschen und die holländischen Fans sind sehr
enthusiastisch. |
björn:
Denkst Du Europa ist generell ein anderes Publikum?
Craig: Ja! Ich denke in Europa ist es leichter die Leute anzusprechen als in Amerika.
In Amerika spricht das Fernsehen die Leute an und
nimmt ihnen eine Reihe ihrer
Entscheidungen ab. Weißt Du, in Amerika sehen
die Leute eine Band im Fernsehen und
danach beurteilen sie dann, ob sie diese Band
mögen oder nicht. Und ich denke in Europa
sind die Leute offener, sie sehen sich eher eine
Band live an und entscheiden dann für sich
selber, ob sie diese Band mögen oder nicht.
Dadurch gehen hier mehr Leute zu Konzerten
und geben Bands mit dieser Art von Musik eine
Chance die Liveenergie mitzuerleben.
Europa ist ein toller Ort um zu spielen, ganz
besonders Deutschland.
björn: Nach all den Jahren, was würdest Du sagen wovon Du am meisten angepisst bist?
Craig: Am meisten angepisst bin ich von Modeerscheinungen, von den Dingen die dir
vorschreiben wollen wie die Welt sich zu drehen
hat ...Bilder, Mode..... Beschissene Dinge
passieren; letzte Nacht zum Beispiel sind wir an
einer Bushaltestelle vorbeigefahren und wir
haben ein Plakat gesehen von Wer heiratet
einen Millionär? Sie zeigen auf dem Plakat eine
wirklich tolle Frau die ihre Blicke auf diesen
eingebildeten, arroganten Typen mit der gehobenen
Nase wirft. Der Typ mit der vielen Kohle, der
aussieht wie ein Arschloch! Und das was sie
eigentlich mit diesem Plakat sagen ist, vergesst
die Liebe, weißt Du, versuche was Du kannst,
um an das Große Ding zu gelangen. Im Grunde
genommen steht die Frau auf diesem Plakat
nicht mehr als Frau da, sondern als eine
Süßigkeit die sich anbietet und der Typ ist wie ein Tier,
versessen auf diese Süßigkeit. Es ist ein
schlechtes Image. Es hat nichts mit der wirklichen
Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau zu
tun. Doch diese Art von Image verwirrt
besonders die jungen Leute, so dass sie nicht
mehr recht wissen wo ihr Weg denn hinführt.
björn: Gibt es irgendwelche Ziele die ihr als Sick of it all noch erreichen wollt.
Craig: Nun, solange Musik zusammen machen, die uns ein gutes Gefühl gibt, wie es nur
geht.
Weiterhin Energie aus diesen Dingen schöpfen und
das hoffentlich noch sehr lange.
björn: Nenn` uns einmal Deine fünf Lieblingsplatten.
Craig: Oh! Also, da wäre die erste Minor Threat Single, Bad Brains erste Scheibe,
Who`s
next von The Who, Black Sabbath Vol.
4 und
ist garnicht nicht mal so einfach...ich würde
sagen Queen mit Queen 2.
...doch es gibt tausend andere Sachen, die ich mag, ...besonders
im Hardcore Bereich.
björn: Was würdest Du denn sagen ist Deine Lieblings Hardcore Band?
Craig: Also, da würde ich schon sagen Minor Threat! ...doch, die sind klasse! All` ihre
Sache
sind auf das notwendigste beschränkt, ich mag
ihre Musik sehr. Doch es gibt eine Menge Musik
die ich mag und schätze. Es ist immer eine
Stimmungsfrage. Mal höre ich gerne richtige finstere
Sachen, mal die ganz harten aber dann auch mal
wieder Klassik. Querbeet.
Zuhause jedoch höre ich meistens eher ruhige
Sachen.
björn: Das ist interessant, wo ihr mit Sick of it all ja nicht gerade nur Kammermusik
spielt.
Doch ich denke, dass die Emotionslagen ähnlich
sind.
Craig: Ja, genau. Diese Art von Musik bringt mich auf gute Gedanken und inspiriert mich...
ich fühle mich von ihr angesprochen.
björn: Wo wir gerade bei Musik sind, was denkst Du über die letzte Sick of it all
Scheibe?
Denkst Du es ist die bislang Beste?
Craig: Oh ich mag die Platte sehr! Ich denke die Songs sind gut geschrieben und was ich
ganz
besonders mag, was ich das Beste finde ist, dass
Ruth sehr gut auf dieser Platte singt. Ich denke
er drückt auf dieser Platte mehr aus als auf
unseren anderen Platten. Er ist als Sänger
wahnsinnig gewachsen.
björn: Ich finde ihr seid als Band ebenso gewachsen.
Craig: Ja, denke ich auch. Wir haben auf Yours truly auch alle Songs komplett
als Band
entstehen lassen. Wir trafen uns in einem
angemieteten Proberaum und jammten.
Wir ließen die Songs wachsen, ließen sie selbst
Farbe annehmen und haben viel mit Bass
und Schlagzeug gearbeitet. Alles was bei den
Songs passierte, passierte natürlich und sollte
so sein.
björn: Es ist auf jedenfall ein fettes Album und ich denke die Arbeit hat sich
gelohnt.
Ein Rückblick auf eine Menge Emotionen. Emotion
und Rückblick... erzähl` einmal etwas über
die erste Frau die Dich in Deinem Leben
fasziniert hat.
Craig: Die erste Frau ? Das war im Kindergarten. Da war ein Mädchen das hieß
Laurie,
sie saß neben mir und sie war jung. Wir waren
beide erst vier oder fünf. Sie hatte große runde
Augen, ein rundes Gesicht und ich erinnere mich,
dass sie sehr natürlich war. Ich habe mich
immer mit ihr unterhalten, jede Minute die wir
hatten, jeden Tag. Ich glaube jeder dachte sie sei
meine Freundin, mich eingeschlossen, doch wir
waren einfach nur Kumpels. Wir konnten über
alles reden, deshalb verbrachten wir soviel Zeit
miteinander, doch mit den Jahren trennten sich
unsere Wege, aber es wäre schön sie mal wieder
zu treffen. Sie war auf jedenfall die erste Frau
über die ich nachdachte!
björn: ...die Frauen! Wie sieht es denn mit Deinen Gefühlen zu Sick of it all aus?
Könntest Du Dir ein Leben ohne Sick of it all
vorstellen? Denkst Du, dass es einmal zu einem
Bruch kommen könnte?
Craig: Also, das ist verzwickt. Sagen wir mal so, wenn wir alle etwas anderes finden
würden,
dass uns mehr Zufriedenheit gibt und uns ein
vielleicht noch besseres Gefühl gibt und Sick of it all
dadurch leiden würde, dann könnte ich mir
vorstellen, dass es ein Ende für Sick of it all
bedeutet. Doch danach sieht es zur Zeit nicht aus
und ich möchte auch nicht hoffen, dass es
dazu kommen wird... nicht in absehbarer Zeit. Nur
ist es auch so, dass wir alle Familie haben
und wir müssen mehr auf das achten was wir tun,
als wir es früher mussten. Doch ich möchte
nicht darüber nachdenken, ich bin mir auch nicht
sicher wie ich damit umgehen könnte.
björn: O.K.! Lass` uns über was anderes sprechen.
Erinnerst Du Dich an ein kleines Verbrechen aus
Deiner Jugend?
Craig: Kleine Verbrechen? Na klar!
Nur eines ...oder?
björn: Wie Du willst! Erzähl` einfach.
Craig: O.K.! Ich fange mit einer beschissenen Krimistory an. Als ich 15 war, wollte
ich
unbedingt einen Motorroller, hatte jedoch wenig
Kohle, also musste ich mir etwas einfallen
lassen. Ich entschloß mich dazu einen
Rasenmäher von einem älteren Mann aus unserer
Nachbarschaft zu stehlen. Dazu lieh` ich mir den
Roller, den ich haben wollte, aus.
Ich fuhr zu dem Haus dieses Mannes, habe den
Rasenmäher auf den Motorroller gespannt
und bin vollbepackt davongerannt. Der alte Mann
kam auf die Straße und schrie mir nach,
doch er hatte keine Chance... ich hatte ja einen
Motorroller.
björn: Kanntest Du diese Leute?
Craig: Nein! Nicht wirklich! Doch als ich dabei war ihren Rasenmäher zu stehlen,
saßen sie auf der Veranda vor dem Haus und
tranken Tee. Sie machten einen netten Eindruck.
Ja, ich glaube sie waren nett! Auf jedenfall
brachte ich den Rasenmäher anschließend zu dem
Händler der auch diesen Motorroller anbot und
ich tauschte Rasenmäher gegen Motorroller.
So hatte ich meinen Roller! Doch es war kein
wirkliches Vebrechen in meinen Augen, mehr ein
Jugendstreich... ein ausgereifter. Ernster waren
da schon die Sachen mit dem Feuer.
björn: Feuer?
Craig: Ja! Wir setzten früher einige Garagen in Brand.
björn: Deine eigene eingeschlossen?
Craig: Nein! Doch die aus unserer Nachbarschaft! Besonders die Müllgarage!
Weißt Du, in dem Viertel wo wir wohnten, gab es
eine Garage in der der Müll der gesamten
Nachbarschaft gesammelt wurde. Nun, irgendwann
kauften wir dann eine Flasche
Feuerzeugbenzin und verteilten es in der gesamten
Garage. Als wir es entzündeten, gab es
einen lauten Knall und überall kam schwarzer
Rauch raus. Es dauerte nicht lange bis die
Feuerwehr da war und sich die gesamte
Nachbarschaft auf der Straße versammelt hat.
Es war eine Riesensauerei, doch bis heute sind
wir dafür nicht verantwortlich gemacht worden.
Hatten tierisch Schwein, dass uns damals keiner
erwischt hat.
björn: Lass` uns noch mal zur Band kommen.
Gab es ein Erlebnis in Deutschland, an das Du
Dich immer wieder erinnerst?
Craig: Ja, das gibt es. Vor ein paar Jahren waren wir hier. Es war Winter und unser
Tourbus
konnte nicht weiterfahren. So mieteten wir einen
Van, mit dem wir uns weiterbewegen konnten.
Wir fuhren durch richtig harten Schnee, richtig
heftigen Schnee, auf glatten Straßen, auf dem
Weg in irgendeine Stadt. Ich saß auf der
Rückbank und starrte aus dem Fenster, alle anderen
waren am schlafen. Es war zwar super
ungemütlich, doch die anderen pennten wie Murmeltiere.
Auf einmal kam der Van ins schleudern und
rutschte über die Straße, ich konnte kaum etwas
erkennen, doch ich sah dieses Schild und BAAFF!
Wir krachten gegen das Schild und die
Scheibe hatte einen riesigen Riss! So `ne Art
Eisregen kam ins Auto und es war Schweinekalt.
Der Fahrer fragte mich, ob alles in Ordnung sei.
Anschließend schlug er die Scheibe komplett
raus, weil er nichts mehr sehen konnte, er gab
mir seine Jacke, zog seine Mütze übers Gesicht
und ermutigte mich, es sei nicht mehr weit. Es
war Schweinekalt und wir hatten keine Scheibe
mehr, doch wir fuhren weiter. Wir fuhren etwa
eine halbe Stunde weiter und die anderen
wachten langsam auf, weil es halt richtig kalt
war. Wir kamen in einen kleinen Ort und suchten
uns dort ein Zimmer für eine Nacht. Am nächsten
Morgen ließen wir die Scheibe reparieren und
fuhren weiter, doch es war hart. Ja, es war
richtig hart. Fast wie in einem Film mit
Bruce Willis oder so.
björn: Heftig, heftig! Eine Frage haben wir noch für Dich. Wenn Du selber eine
Band
zusammenstellen würdest, aus toten und
lebendigen Musikern, wie säh diese Band aus?
Craig: Also, was ich cool finden würde, wäre Jimi Hendrix an der Gitarre, Bassist
und
Schlagzeuger von The Who, weil sie perfekt
zusammenspielen und Joe Cocker am Gesang.
björn: Fett, abstrakt aber fett. Übrigens, uns ist aufgefallen, dass hier kein bisschen
geraucht
wird. Seid ihr alle Nichtraucher?
Craig: Ja, wir sind alle Nichtraucher! ... zumindest kurz vor einem Konzert.
björn: Auch kein Gras?
Craig: Gras? Doch, natürlich. Klar, ... aber ohne Tabak!
Frank:Was denkt Du denn generell über Drogen?
Craig: Also, Marihuana halte ich für eine gute Droge. Ich meine, klar, Du darfst es
natürlich
nicht übertreiben, doch ich denke es ist eine
Droge, die es Dir teilweise einfacher macht, auf
Dinge einzugehen. Sie lässt Dich zur Ruhe kommen
und Deine Gedanken freier bewegen.
Vielleicht haben genau aus diesem Grund so viele
Leute ein Problem damit.
Von chemischen Drogen halte ich allerdings gar
nichts, sie machen Dich nur kaputt
und verfälschen Deine Persönlichkeit.
björn: O.K.! Das waren ja noch ein paar nette Worte zum Schluß! Also, viel Spaß
auf der
Bühne. Haut rein!
Craig: O.K.! ...hoffe wir sehen uns nach dem Konzert!
björn & frankie.
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