frkmagazine        
                    
                   

    

    Virginia.Jetzt! 
    Eine junge, dynamische Berliner Band, die dem Publikum gerade ihr Debütalbum...  
    „Wer hat Angst vor Virginia Jetzt!“ auf einer Deutschlandtour präsentiert hat. Leider musste 
    das Tourfinale kurzfristig abgesagt werden, da Drummer Angelo wegen Streptokokken am     
    Herzmuskel erst mal ins Krankenhaus musste (an dieser Stelle: Gute Besserung!). Allerlei 
    Gesprächsstoff und ne´ Stunde Mittagspause waren dann Grund genug, um mit Mathias, 
    seines Zeichens Bassist bei Virginia Jetzt!, ein sehr nettes Telefongespräch zwischen der 
    hohen Eifel und der großen Hauptstadt zu führen. 
 

     frk: Ihr seid ja alle 4 in einem Dorf in Brandenburg aufgewachsen. Wie war der Osten damals für Euch?

Mathias: Wir haben es nicht wahrgenommen, was wirklich abging, weil man es gar nicht anders kannte. Ich komme aus einer Bäckerfamilie vom Land und ich hatte alles, was ich als Kind wollte. Bei der Wende war ich 10  Jahre alt. 

    

    frk:  Aber hast du nach der Wende keine Veränderung gegenüber dem Ostleben gespürt?

    Mathias: Klar, man musste für eine Banane nicht mehr 30 Minuten anstehen. Außerdem hatten
    wir nun theoretisch die Möglichkeit z.B. nach Frankreich fahren zu können. Aber dann hat uns 
    das Geld gefehlt. Ist schon komisch – Vor der Wende durften wir nicht nach Frankreich reisen
    und nach der Wende konnte es sich niemand mehr leisten.

    frk: Wie sah es da mit Musik aus?

    Mathias: Im Osten war es noch richtig cool und angesagt, wenn man in einer Band gespielt hat.
    Heutzutage macht das ja fast schon jeder Zweite! 

    frk: Die ganze Band wohnt jetzt in Berlin – in der großen Stadt – Was bedeutet Berlin für dich
    als Stadt und als musikalische Inspiration? 

    Mathias: Also musikalisch hat mir die Stadt überhaupt nichts gegeben. Auf diesen 
    “Sound of the city” Schwachsinn steh ich überhaupt nicht. Aber man trifft hier schon 
    mehr Leute, geschäftlich und musikalisch als auf dem Land. Zur Stadt kann ich nur sagen, 
    dass ich nicht finde, dass Berlin zu groß ist. Im Gegenteil. In Berlin lebt man sogar sehr 
    dörflich. Ich gehe immer zum selben Bäcker und kaufe im selben Laden ein. Meine engsten 
    Freunde wohnen direkt in der Nähe und ich bewege mich sehr oft nur in meinem Bezirk – 
    Halt wie in einem Dorf!  

    frk: Wann war dir zum ersten Mal gewusst, was Musik für dich bedeutet und du später mal 
    Musik machen musst? 

    Mathias: Als ich 11 oder 12 war hab ich bei meiner Cousine ein Kurt Cobain Poster gesehen, 
    auf dem Kurt eine Gitarre kaputtgeschlagen hat. Das hat mich damals nicht mehr losgelassen. 
    Mit 14 hatte ich mir dann meine erste Gitarre selbst finanziert und ab dann war für mich eigentlich 
    klar, dass ich auf die Bühne muss. Außerdem hat mich die Bühne immer schon angezogen. 
    Früher auf Konzerten, wie Puhdys und so...

    frk: (räusper, räusper) 

    Mathias: Mein Gott das war früher...

    frk: Wie war der Wechsel von einem sehr kleinen Label, Blickpunkt Pop/München, zu einem 
    Mayor wie Motor/Universal?

    Mathias: Positiv ist die bessere Struktur und die finanziellen Möglichkeiten bei einem großen 
    Label. So konnten wir z.B. ein teures Musikvideo drehen. Außerdem gibt´s bei einem großen
    Label viel mehr Leute, die man potentiell nicht erreichen kann. Bei Blickpunkt Pop gab´s nur 
    einen; wenn der nicht da war – Pech gehabt. Ich finde das allgemeine Denken von vielen Bands
    „Indie super, Mayor scheiße“ und „Großes Label = Pakt mit dem Teufel eingehen“ ziemlich 
    albern. Es ist anders, aber nicht schlechter. Bei Motor arbeiten viele coole Typen, manche 
    davon sind schon gute Freunde geworden, andere wiederum sind ziemliche Idioten, aber das 
    gibt es überall. 

    frk: Weißt du wie oft „Wer hat Angst vor Virginia Jetzt!“ schon über den Ladentisch gegangen ist?

    Mathias: Ja ungefähr 13.000 mal. 

    frk: Pop oder Rock – Wie würdest du die Musik von Virginia Jetzt! beschreiben? 

    Mathias: Bei Pop denkt jeder sofort an Britney Spears. Bei Rock an Iron Maiden. Ich weiß 
    nicht. Muss jeder selbst entscheiden. Bei Saturn stehen wir unter Independent im Regal.
 
    frk: Als ich Eure Internetseite angeschaut habe bin ich auf sehr lustige Texte gestoßen, 
    die sehr ironisch und sarkastisch waren. Spiegelt das Euren Humor innerhalb der 
    Band wieder? 

    Mathias: Auf jeden Fall spielt Humor bei uns eine große Rolle. Wir 4 liegen alle auf der gleichen
    Humorwellenlänge. Wir ziehen alles irgendwie ins Ironische und das wird manchmal richtig 
    krass. Zum Beispiel die Sache mit Angelo im Krankenhaus. Das ist für uns eine Humornummer, 
    aber wir wissen alle wie das gemeint ist. Unser Humor löst auch Verkrampfungen innerhalb 
    der Band.  

    frk: Was hörst du persönlich gerne? Hast du eine Lieblingsplatte? 

    Mathias: Ich bin seit Jahren großer Depeche Mode Fan. Aber ich höre zur Zeit am Liebsten 
    das neue Album von „The Strokes“.  Ein Lieblingsalbum habe ich nicht. Ach ja Beginner höre 
    ich auch ganz gern. Außerdem The Notwist, At the Drive Inn und Refused. Nino hört 
    Weakerthans rauf und runter und Angelo und ich stehen auch auf HipHop-Sachen wie 
    Bubba Sparx. 

    frk: Habt ihr jemals daran gedacht auf englisch zu texten? Denkst du das bringt Vorteile oder Nachteile? 

    Mathias: Wir haben einige Sachen auf englisch gemacht, aber da niemand von uns der Sprache
    ganz mächtig ist, haben wir es gelassen. Außerdem gab es früher im Osten fast nur deutschsprachige 
    Bands, die wir gehört haben – Ärzte, Tocotronic, Deutsch-Punk. Deutsch ist auch schwieriger
    und härter in der Aussprache. Deswegen wird das Endprodukt auch besser, weil man halt mehr
    überlegen und ausprobieren muss. Deshalb werden wir auch weiter auf deutsch texten. 
    Das Ausland interressiert uns nicht so sehr. 

    frk: Wie gefällt dir das Tourleben? 

    Mathias: An Sich ist das Tourleben wahnsinnig toll. Leider hat die Sache mit Angelo und auch 
    sonstige Krankheiten die Laune mächtig getrübt. Ganz zu Schweigen vom schlechten Wetter. 
    Dann ist das Tourleben natürlich auch nicht gerade toll. Die Tour ist jetzt bis auf weiters auf Eis
    gelegt und wenn´s schlecht läuft, dann geht dieses Jahr nix mehr. Aber wir haben uns auch ganz
    klar übernommen. Das ist jetzt die Quittung dafür. 

    frk: Wie geht´s weiter mit Virginia Jetzt!? 

    Mathias: Da wir totale Zukunftsmenschen sind und gerne voraus schauen haben wir schon für 
    nächstes Jahr geplant. Wir sind in Gedanken schon beim nächsten Album. Wir reden viel darüber 
    und probieren aus. Wir diskutieren, in welche Richtung wir uns weiterbewegen könnten. Wir 
    gehen dann im Frühjahr ins Studio und im Spätherbst nächstes Jahr sollte dann die zweite Platte
    rauskommen. 

    frk: Wir haben in unseren Interviews eine Frage, die wir fast jeder Band stellen und zwar: 
    Crimes in the past! Wie steht´s denn mit Eurer kriminellen Vergangenheit? Falls ihr eine habt?

    Mathias: Hallo? Wir sind echte Ossis. Alles was nicht niet- und nagelfest ist, nehmen wir mit. 
    Wir waren mal in Hannover und sollten da spielen. Der Typ von der Organisation hat uns total 
    verarscht und über den Tisch gezogen. Dann haben wir die uns von ihm gegebene Wohnung 
    nicht gerade sauber hinterlassen. Außerdem haben wir einiges mitgehen lassen, aber nur so 
    Sachen wie ein Wäschehalter und ein paar CD’s. Leider hat es dann die Falschen getroffen, 
    weil die Wohnung gar nicht dem Typ gehört hat. Natürlich würden wir so was nie wieder tun.
    ... Grins.

    frk: Ok. Meine Mittagspause ist gleich vorbei. Deshalb kommt jetzt leider schon die letzte Frage
    und zwar: Wer hat Angst vor Virginia Jetzt!

    Mathias: Ehm? Ich weiß nicht! Du vielleicht? 

    frk: Bisher noch nicht, wieso auch? 

    Mathias: Es gibt einige Bands, die extreme Konkurrenzangst haben. Vielleicht haben die Angst
    vor uns. Außerdem gibt es tatsächlich eifersüchtige Männer, deren Freundinnen uns ganz toll 
    finden. Ich glaube die haben Angst vor Virginia Jetzt! 

    frk: Vielen Dank für dieses nette Gespräch. 

    Mathias: Nichts zu danken und viel Spaß beim Arbeiten.

    text: michi