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    WATERDOWN
     am 7.10.2001 im Hafenklang Hamburg

    
Ingo  - vocals

Marcel - vocals
Holger  - guitar
Claus  - guitar
Christian - bass 
Jörg  - drums 

    Hallo zusammen. Zum ersten mal Ich hab euch auf einem Sampler vom OX Zine gehört 
    mit dem Song "Impress Me". Den fand ich ziemlich fett. Ich war etwas überrascht, diesen 
    Song hätte ich eher auf einer Visions Compilation erwartet ? Im Nachhinein hörte ich dann
    einige andere Songs von Euch und finde vieles dann doch Emo- oder Hardcoreartiger und 
    somit passender. Welche Stile versucht ihr zu vereinen, was ist euer Gesicht? 

    Christian: Also wenn du die ganze Platte hörst, wirst du merken, daß das genau unser 
    Gesicht ist, nämlich das wir machen was wir wollen. Der eine Song kann super-melodisch 
    sein und hat möglicherweise eine melancholische Atmosphäre und der nächste ist dann wieder 
    ein Moscher, der ordentlich auf die Fresse geht. Es liegt daran, daß wir alle sehr verschiedene 
    Sachen hören, von Old- bis Newschool Hardcore, Punkrock, sogar Poppunk oder das was 
    man heutzutage als Emo bezeichnet, also was vor 5, 6 Jahren noch Indie-Rock hieß, Metal 
    auf jeden Fall und auch so ein paar Singer/Songwriter Sachen. Wir schmeißen das alles 
    zusammen und gucken was passiert. Das heißt, es kann halt auf diesem Album durchaus 
    sein - oder es ist auch so -, daß da Popsongs neben echten Krachern stehen. 
    Und das soll auch so sein.

    Ihr seid eine recht junge Band, jedenfalls für den Platz den Ihr in der Szene jetzt schon 
    eingenommen habt. (Jörg: stößt hinzu) Ihr macht doch aber schon eine ganze Zeit Musik 
    und habt doch auch vorher in einigen verschieden Bands gespielt. Was habt Ihr früher so 
    gemacht und wie seid Ihr letztendlich zu eurem jetzigen Line-up gekommen ? 
    Es hat doch kürzlich noch eine Veränderung gegeben ?

    Holger: Ja, es hat eine erste Veränderung gegeben. Axel war vorher dabei und spielt jetzt 
    bei Thumb. Dafür ist dann Klaus gekommen, der früher bei Caliban gespielt hat. Caliban 
    kommen aus dem Ruhrgebiet und haben Death- und Blackmetal beeinflußten New School 
    Hardcore gemacht mit viel Geschrei und so, und das machen sie eigentlich immer noch. 
    Vielleicht noch mehr Metal. Ich hab vorher halt auch so Metal Groove Kram gemacht, 
    vielleicht ein wenig New Metal -artig, obwohl ich es jetzt nicht einfach als New Metal Kram 
    bezeichnen würde. Ich hab halt viel Deftones gehört und so was, das war die Richtung 
    die ich auch so gemacht hab. 

   
    Hat es denn in dieser Zeit
    Veröffentlichungen
gegeben ?

    Holger: da ist wohl Christian eher der
    richtige
Ansprechpartner.

    Christian: Jörg, unser Drummer und
    ich, wir haben früher bei Pendicle
    gespielt und hatten 2 Alben bei Blue
    Noise Records und
sind ein wenig
    getourt. Ingo war bei Swallow?. 

    Die haben so New School Hardcore

    gemacht...würd ich sagen...oder...

    Ingo: ...Ja doch, `ne Mischung
    zwischen New und Old School HC
    und so, aber auch viel Metal drin.
    Das war aber eher eine 

    regionale Sache. 


    Und habt Ihr diese Bands wegen Waterdown aufgelöste oder wie ?

    Christian: Also bei Pendicle war es so, daß wir uns im November '99 aufgelöst haben und 
    ich halt in meinem Bekanntenkreis nach neuen Leuten gesucht habe um eine neue Band zu 
    machen und einfach ein paar Leute gefragt hab. 

     Ingo: War bei meiner Band genauso.

     Holger: Ja, ist bei mir auch so, daß hatte sich auch irgendwie ein halbes Jahr vorher erledigt. 
     Da ist die Band auseinandergegangen.

    Wie ist denn dieser Schub entstanden, daß das so schnell mit Victory an den Start ging ?

    Christian: Also wir haben ein paar Songs aufgenommen und diese auf einer Demo-CD 
    verschickt. Daraufhin fanden wir recht schnell eine Booking Agentur "Drive To Play", 
    die auch die Grade Tour im letzten Jahr gemacht haben. Deren Ansage war, mit Grade 
    touren zu können, wenn wir bis dahin eine VÖ hätten um den Support den Veranstaltern 
    gegenüber rechtfertigen zu können. Wir sind dann gleich in Kontakt mit dem Berliner 
    Hardcorelabel "Two friends Recording". Bei denen haben wir dann unsere EP gemacht 
    "Draw a Smiling Face" die dann pünktlich zur Grade Tour rauskam. Grade fanden uns geil 
    und wollten sich bei Tony Vicory dafür stark machen uns auf seinem Label zu signen. 
    Wir hatten keine großen Hoffnungen, aber eine Woche später habe ich die erste mail 
    von Tony bekommen mit der Info, daß er gerne mit uns zusammen arbeiten möchte.

    Das ist ja ein sehr unüblicher Weg... 

    Christian: Ja, wir hatten halt Glück und haben zur richtigen Zeit mit den richtigen Bands 
    zusammen gespielt, und die haben sich dann in Amerika für uns stark gemacht.

    Auf der anderen Seite finde ich dann aber sehr cool, wie Ihr nach wie vor auf eure Fans zugeht, 
    das merkt man zum Beispiel schnell, wenn man sich eure HP anschaut. 

    Christian: Wir würden aber auch auf keine andere Idee kommen irgendwie als es so zu 
    machen, wie wir es immer gemacht haben. Ich würde auch nicht sagen, nur weil wir bei 
    Victory sind, 3 Stufen in der Karriereleiter nach oben geklettert zu sein. Wir sind immer 
    noch die kleine Band aus Osnabrück und wer uns  sprechen will, der kann das tun. 

    Holger: Es geht einfach schnell, daß so was von außen kommt "Oh, die sind die erste deutsche
    Band bei Victory, dann sind die ja offensichtlich total abgehoben", also daß die Leute selber 
    denken, daß man sich gleich für was besseres ist. So etwas kommt oft von außen. 

    Holger: Wir sind alle vorher jahrelang zu Konzerten gegangen und haben gesehen wie sowas 
    ist und andere Bands mit den Leuten umgehen, und man war selber lange genug Zuschauer. 
    Nur weil man nun selbst Musik macht und bei `nem renomierten Label ist heißt es ja nicht, 
    daß man selber jetzt nicht mehr an sowas teilnimmt. Man hat Bekannte die Konzerte 
    organisieren, lernt Veranstalter kennen und weiß, was die alles dafür tun müssen, damit solche
    Sachen stattfinden. Außerdem schaut man sich selbst auch kleine Bands an und dann gehört 
    es einfach dazu sich als Teil davon zu sehen. 

    Christian: Bei unserer jetzigen Tour ist es beispielsweise so, daß wir bei einer Show in der 
    Schweiz mit "Planes Mistaken For Stars" aus Amerika spielen, die Ingo und ich  supergeil 
    finden und auch eine kleine band sind, nur um es verständlich zu machen: eigentlich eine kleine
    band die keiner kennt aber für mich trotzdem groß ist, weil ich sie halt supergeil finde "so, 
    alter super wir spielen mit " Planes Mistaken For Stars", und dann zu wissen, daß die als 
    erstes spielen und wir als Headliner, das ist irgendwie ganz schön abgefahren.
    Aber kein Grund deswegen nicht zu sagen "alter wie geil". 

    Ingo: Das ist ja auch einer Gründe, warum ich überhaupt anfing mich für HC und die ganze 
    Szene zu interessieren, daß es da halt eben noch nicht so ist, daß man auf der Bühne steht 
    und angehimmelt wird und das war`s dann. Das ist auch wichtig, daß das so bleibt auch wenn 
    wir jetzt noch noch...wir wissen ja nicht, was jetzt alles auf uns zu kommt und wir hätten ja 
    nicht gedacht, daß es alles so schnell geht wie es die ganze Zeit abging. Und wir haben auch 
    alle keinen Bock darauf, daß es irgendwann so ist, daß wir den ganzen Tag im Nightliner 
    sitzen und mit Niemandem mehr Kontakt haben. Das macht dann auch keinen Spaß mehr. 

    Was mich im Zusammenhang mit der Produktion gewundert hat ist der deutsche Cover-Song 
    auf der Platte "Ettikette Tötet" von Slime, den ich persönlich ja ziemlich beschissen finde. 
    Aber es ist irgendwie bei einer amerikanischen Plattenfirma recht unüblich. Inwieweit hattet 
    ihr denn freie Hand bei der Produktion bzw. der Songauswahl? 

    Christian: Ja, genau, daran kannst du ablesen, daß wir Narrenfreiheit haben.  Das war mit das 
    allererste was ich Tony (Victory) gesagt hab, was er in den Vertrag schreiben soll, nämlich daß 
    wir 1000%tige künstlerische Freiheit haben, daß wir machen können was wir wollen und er die
    Schnauze zu halten hat und das rauszubringen hat 
    (Anm. d. Red.: ...ob das wohl so im vertrag steht ???). 

    Holger: Das hat bisher auch überhaupt keine Probleme gegeben. Es kam bei keinem Song die 
    Frage auf, ob er da rein paßt oder nicht, das war kein Thema. 

    Christian: Wir haben die Platte auch hier aufgenommen, nach Amerika geschickt, und die 
    haben die fertigen Bänder bekommen. Und bei Guido Lukas, dem Produzenten, der gleichzeitig
    der Labelchef unserer alten Band war, ist es so, daß man weiß, wenn man in sein Studio geht 
    und von ihm was produzieren läßt, eine fette Platte dabei rauskommt. Sound: HÖLLE ! Er gibt
    dir vielleicht ein paar Tips die du auststest und wenn es dir gefällt machst du was er sagt 
    und sonst eben nicht. Das ist alles.

    
Wie viel Zeit nimmt die Band in Anspruch, wie weit geht das ? Habt ihr nebenbei noch Jobs in der "Szene" oder im Musikbereich ? 

Holger: Es ist superzueitaufwendig und wir sind in einem Stadium, wo arbeiten n einem normalen Job nicht mehr möglich ist. 

    Christian: Ingo und ich schreiben noch für Musikmagazazine, und ich organisiere Konzerte
    im Ostbunker in Osnabrück, wobei ich das auch schon recht lange nicht mehr geschafft habe,
    da keine Zeit mehr da ist. 


    Ihr seid zu sechst und musikalisch recht unterschiedlich geartet. Ich denke, daß da schon viele 

    Pole aufeinandertreffen und sich vielleicht jeder ein wenig durchsetzen muß ? wie läuft das ab? 

    Christian: Wir beide (?) schreiben die Songs und zeigen den anderen wie es geht....lach... 

    Wie wichtig sind Inhalte in euren Songs, gibt es bestimmte Nachrichten ? 

    Ingo: Ja sicher. Ich finde wenn man Punkrock oder Hardcore macht gehört da schon eine 
    politische Aussage mit dazu. Es gibt `ne Menge Bands die von Frauen und davon wie toll sie 
    eigentlich doch sind erzählen. (Anm. d. Red.: ...bie mei baddaflei, schuggah, bäibie !) Da hab 
    ich keinen Bock drauf. Wir machen uns kein inhaltliches Konzept wie beispielsweise 
    "International Noise Conspiracy", was zwar auch eine coole Sache ist , aber doch irgendwie 
    nicht so unsrer Ding ist. Wir schreiben über die Sachen, die uns gerade in den Kopf kommen,
    und das ist dann mal irgendwas Persönliches und mal was Politisches, Sachen mit denen man 
    sich beschäftigen muß und die jeden etwas angehen. Ich hab schon oft überlegt, wenn ich was 
    geschrieben habe, ob da alle dahinterstehen wenn es um politische Dinge geht. Aber da sind 
    wir uns soweit einig, daß es bisher jedenfalls dahingehend keine Probleme und Diskussionen
    gab. Es kommt auch musikalisch kaum vor, daß jemandem etwas überhaupt nicht gefällt. 
    So Sachen kommen meistens gar nicht.

    Holger: Meine Ska riffs wolltet ihr ja nicht.

    Zukunft? 

    Christian: Die Tour geht noch zweieinhalb Wochen durch Deutschland. Wie spielen  eine Show
    in Holland, eine in der Schweiz und 3 in England. Dann wollen wir ganz gerne nach Spanien. 
    Ausserdem sind einige Split-EP`s in Planung, zum beispiel mit unseren freunden den DONOTS.
    Aber im Augenblick haben nicht die Zeit ins Studio zu gehen um die Songs dafür aufzunehmen.

    Thanx ! 

    jonas & jan.