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     >>> 29.01.2004: a perfect circle, melissa auf der maur .::. Köln - LMH 

    Deutschland. 82 Millionen Einwohner. Zweitwichtigster Musikmarkt der Erde. Und APC 
    geben ein Konzert! Eins! Natürlich waren die Karten für dieses Ereignis genau so begehrt 
    wie das Haar von John Lennon, sprich ausverkauft! 

    Um acht ging es dann nach halbstündiger Wartezeit im eisig kalten Winterwind mit dem 
    Support los, kein geringerer als „Melissa auf der Maur“. Wer das ist? Man nehme die 
    Ex-Bassistin von Smashing Pumpkins und Hole, gebe ihr circa 10 Jahre Zeit (kein Scherz) 
    sich und ihre musikalischen Soloideen zu verwirklichen, dabei mit anderen Musikgrößen 
    (Queens of the StoneAge, APC u.A.) zusammen zu arbeiten, stelle ihr eine Band zur Seite 
    und warte auf das Ergebnis – „Auf der Maur“ eben. 

    Sehr hübsch und grazil diese Melissa, Mitte dreißig und unglaublich sexy am Bass, den sie 
    neben dem Gesang auch noch zupft. Die Songs sind teilweise seltsam, beim ersten Hören 
    nicht zu verstehen. Viele Zuschauer sind verunsichert, wissen mit den Klängen, die durchaus 
    härter sind, nichts anzufangen. Wenig Applaus. Melissa tut mir leid. 
    
    Sie verriet in einem Interview, dass es ihr sehr am Herzen liegt, dass die Menschen ihre Musik 
    verstehen und mögen; dass aber gerade die Deutschen anfänglich sehr zurückhaltend und 
    reserviert in Bezug auf ihre Musik sind, respektiert sie. Mir gefällt „Auf der Maur“ auf Anhieb 
    auch nur bedingt; Melissa und ihre 4 Bandkollegen geben sich Mühe, die Musikqualität und 
    der Sound sind sehr gut, aber die häufig komplizierten Songstrukturen und seltsamen 
    Gesangseinlagen lassen dem Auftritt einen faden Beigeschmack beiwohnen. 

    „I´ll be anything you want“, das auf dem aktuellen Visions All Areas Sampler (Januar) 
    vertreten ist, kommt da bei mir und bei vielen Anderen besser an, vielleicht liegt das an den 
    eingängigen Rhythmen, die an Queens of the Stone Age erinnern. Nach beinahe 40 Minuten, 
    ungewöhnlich lange für einen Support-Auftritt, kommt dann aber noch der ersehnte Hammer. 
    Mit einem esoterischen Schrei beginnt die hübsche Melissa „Love is an ocean“, das den ganzen
    Saal mitreißt und in Wallung bringt. Wirklich ein sehr druckvolles und starkes Lied, das den 
    Auftritt insgesamt noch rettet. Trotz Allem eine interessante Band und eine starke Frau im 
    „Business“, die wirklich Rock produziert und mit Leib und Seele dahinter steht.  

      

    Dann nach wirklich kurzer Umbauphase wurde es plötzlich still. Die Menschen in der Halle 
    drückten alle nach vorne. 45 Grad. Mindestens. Die Bühne in blaues Licht getaucht. Eine 
    Plattform im Hintergrund, links ein Mikrofon, rechts das eindrucksvolle Drumset und in der 
    Mitte ein von schwarzen Laken umhüllter Würfel  mit einem großen, transparent-weißen 
    Kreisausschnitt, der zum Publikum zeigte. 

    Absolute Begeisterung als das instrumentale Intro beginnt und Drummer Josh Freese, 
    die Gitarristen James Iha und Billy Howerdel, sowie Bassist Jeordie White die Bühne betreten. 
    Maynard James Keenan ist nur als Schatten hinter dem Laken zu erkennen. Nach dem langen 
    Intro und der ausgereizten Erwartungshaltung auf Keenans Person, dessen Stimme man 
    schemenhaft beim langsamen Einstieg zu „Vanishing“ erkennt, fallen schließlich, begleitet von 
    wahren Begeisterungswellen, die Laken des Würfels und die Show beginnt. 

    Nach einem verpatzten Einstieg in das Lied, schleudert Keenan wütend das Mikrofon 
    von der Plattform und flucht. Erneut versucht er es, ab diesem Zeitpunkt sind der Sound 
    und die musikalische Leistung aller Bandmitglieder perfekt. Die Setlist ist sehr ausgewogen 
    zwischen den beiden Alben „Mer des Noms“ und „Thirteenth Step“. Meine Lieblingssongs 
    „Rose“, „The Package“, „3 Libras“ und „The Outsider“ werden gespielt. 

    Ich schließe die Augen. Bin völlig umgeben von der musikalischen Dimension, vom Raum, 
    den APC mit ihren Stücken schaffen. Das ist außergewöhnlich und nicht mit irgendeiner 
    anderen Band zu vergleichen. Während des Konzerts spricht kaum jemand. Keenans Laune 
    verbessert sich zusehends, obwohl er fast ausschließlich auf eine Leinwand auf seiner Plattform
    starrt. Trotzdem scherzt er mit seinen Bandkollegen und dem Publikum. Fordert uns auf uns zu
    „The Hollow“ entweder umzudrehen, unsere Schuhe auszuziehen oder zu masturbieren. 

    Ferner entschuldigt er sich mehrmals, dass sie nur ein Konzert in Deutschland spielen, 
    die Promotionfirma in Europa aber nur eine Handvoll Konzerte genehmigt hat. Nach beinahe 
    70 Minuten ist das grandiose Konzert mit „Judith“ zu Ende. Mit einem leisen „Goodbye, thank 
    you“ verabschieden sich die 5 Musiker von der Bühne. Hoffentlich kommen sie bald wieder.
    
    text: michi