>>> 17.5. -
19.5.2002: Rock am Ring .::.
Nürburgring, Eifel
Alle
Jahre wieder
! Mittlerweile kennt wohl jeder Rock am Ring- eines der größten
Openairs
in ganz Europa. Auch im Jahre 2002 gaben sich
wieder über 100 Bands und Comedians ein
Stelldichein in der schönen Eifel. Grund genug
um sich schon im voraus genauestens mit dem
Spielplan der Bands vertraut zu machen, da es bei
4 Bühnen leider auch zu Überschneidungen
im Wunschprogramm kommen kann.
Der
Kartenvorverkauf lief in diesem Jahr nicht besonders gut; böse Zungen behaupteten
im
Vorfeld sogar schon, dass es das letzte RaR sein
würde. Dieser Schwachsinn wurde dann
wenig später zum Glück vom Veranstalter selbst
und den Medien widerlegt. Wie schon so oft
präsentierte MTV den ganzen Ablauf und war alle
3 Festivaltage mit Drehen und Interviewen
beschäftigt. So konnte man das Festival auch im
Fernsehen verfolgen.
(
Positiv: Auch fette Acts auf den kleineren stages wurden später im TV ausgestrahlt.)
Genug
der Vorrede- Freitag vor Pfingsten ging es endlich los. Schon seit Dienstag campten
einige tausende Hardcore-Festivaller auf den
weitläufigen Campingplätzen,
um sich schon mal Warmzutrinken.
Freitag... 17.05.2002:
Zu dritt stürmten wir nun Freitags gegen drei
Uhr das riesige Festivalgelände und wurden sofort
von einigen Neuigkeiten überrascht. Die
AlternaStage war nun nicht mehr an ihrem Stammplatz,
sondern bedrohlich nah an die CenterStage
gerückt, weswegen man bei einigen Bands einen
Mischmasch aus beiden Bühnen ertragen musste,
wenn man in der Mitte der Stages stand -
sehr uncool! Eine positive Neuigkeit war das
diesjährige Talent-Forum, das zum Ersten mal
nicht mehr im Zirkuszelt, sondern auf einer
Open-Air-Bühne zu Gast war. Was nun sound- und,
stimmungsmäßig besser ist, darüber lässt sich
streiten, aber fand die Änderung ganz gut. Neben
den Bühnen war auch in diesem Jahr wieder ein
riesiger Fun-Park aufgebaut, der viel für
Extrem-Spass-Suchtis zu bieten hatte, unter
Anderem Bungee-Jumping, Base-Diving und eine
Kugel, die mit zwei Insassen 55 meter hoch
katapultiert wurde und mit der ich an diesem
Wochenende auch noch Bekanntschaft machen sollte.
Ferner gab es wieder hunderte Möglichkeiten sich mit allerlei exotischem Essen den Magen
zu
verderben. Das Angebot reichte von italienisch
über koreanisch, von amerikanisch über indisch,
von typisch deutsch bis hin zu indianischem
Essen, wobei man den viel besagten Teuro hier
besonders deftig spürte.
Da
wir aber schließlich nicht wegen dem Essen hier hingekommen waren, widmeten wir uns
gegen halb sechs endlich der Musik, die schon am
Freitag einiges (hauptsächlich AlternaStage)
zu bieten hatte. Kurz vor sechse stürmten die
Beatsteaks die stage und gaben den circa 8.000
Leuten vor dieser Bühne einen gelungenen
Einstieg ins Festival-Wochenende, Surfeinlagen des
Sängers auf der Menschenmenge mit Kopfstand auf
dem Board inklusive. Danach waren die
kalifornischen Jungs von A an der Reihe, die mich
live positiv sehr überraschten. Aus der
allerersten Reihe konnten wir überwiegend
Songs von der aktuellen Scheibe Hi-Fi Serious
lauschen, aber besonders tobte die Menge bei dem
Ohrwurm I love Lake Tahoe. Nach A
gönnten wir uns ne´ Verschnaufpause,
schaufelten besagtes Essen in uns hinein und trafen
einige Leute. Ruck Zuck waren es schon zehn Uhr
und wir kämpften uns durch nun circa 20.000
Leute bis direkt vor die AlternaStage, um Bush zu
gucken. Leider kamen dazwischen noch
AlienAntFarm an die Reihe; man ich war froh als
die aufgehört hatten (Probleme mit dem
Sound, fehlende Bühnenaction und sowieso nicht
mein Fall von Musik...Hatte auch das Gefühl,
dass die ganze crowd nicht so begeistert war! Das
war aber schnell wieder vergessen als bush
ihr Bestes gaben. Super Auftitt- sehr viel Power
und geiler Sound. Scheiße allerdings war, dass
man in den kurzen Pausen zwischen den Songs den
Mist von Lenny Kravitz von der
CenterStage gehört hat. Auf Farin Urlaub hatte
dann letzendlich aber keiner von uns mehr
Bock, obwohl ich mir den Auftritt später im
Fernsehen angeschaut hab und mich geärgert hab,
den live nicht gesehen zu haben.
Samstag:
Normalerweise lässt man sich vom Wetter ja nicht
die Laune verderben, aber was da den
ganzen Tag aus dem #Himmel auf uns unten
geschüttet worden ist, hat doch schon sehr genervt.
Und das bei so geilen Acts wie Muse, Ill Nino,
Kittie, die Sportfreunde und 4Lyn...
(Stimmung wollte da nicht so richtig
aufkommen)
Nach
einer mehrstündigen Campingplatztour, die uns schon vor dem musikalischen Beginn des
Tages an die Grenzen brachte, ging´s gegen fünf
dann endlich los mit Readymade auf der
AlternaStage. Diese Nachwuchsband aus deutschen
Landen war wirklich sehr gut; leider fing´s
mittendrin an wie aus Eimern zu gießen. Als ich
mir zwei Wochen später jedoch die Platte
anhörte, war ich echt enttäuscht wie lasch die
rüberkam. Wirklich ganz andere Wirkung auf der
Bühne. Danach kam Wilco an die Reihe. Oh Gott!
Das war echt ne´saulangweilige Stunde
Musik. Vor ungefähr 300 Leuten gaben Wilco ein
Konzert, das vor Schläfrigkeit nur so
strotzte, wobei die durchnässten Leute doch nur
eine Portion Power und Energie brauchten.
Die Musik war ja gar nicht so schlecht, aber
hätte eher zum romantischen Candlelight-Dinner
mit der Freundin gepasst. Außerdem war der
Sänger nach fehlendem Applaus und Problemen
mit seiner Akkustikgitarre so aggre, dass er auf
einmal die besagte Gitarre einem hilflosen
Kabelträger überwarf und fluchte. Grund genug
für das Publikum gar nicht mehr zu klatschen.
Nach dieser Schlaftablettenvorstellung konnte man
Erstaunliches beobachten. Auf einmal füllte
sich der Platz vor der AlternaStage von 300 auf
bestimmt 15.000 Leute, in nur 20 Minuten,
die allesamt gekommen waren, um sich Sportfreunde
Stiller anzugucken. Wir 3, noch ganz
vorne wegen eben noch reichlichem Platzangebot,
waren plötzlich extrem eingequetscht,
sodass ich die Beine hochheben konnte, ohne
umzufallen. Das Konzert der 3 Sportfreunde
war aber extrem gut. Da wurden Scherze und Witze
auf der Bühne gemacht und fetzige
Gute-Laune-Songs gespielt, dass man glatt das
beschissene Wetter vergessen hat. Von
Heimatlied bis Ein
Kompliment- alles war dabei und die Menge brodelte
nur so vor sich her.
Grund
genug sich danach mal eine Pause zu gönnen- Happa Happa Kacka Kacka Balla Balla
kam da nicht zu kurz. Happa wurde zu sich
genommen- diesmal indianisch! In Kacka wurde
reingetreten, wobei ich mir nicht erklären kann
wie jemand mitten auf das Festivalgelände
scheißen kann und Balla Balla war ich echt, als
ich mich für 18 euro; knappe 60 Meter habe
mit einer Kugel gen Himmel schießen lassen. Aber
das war echt saugeil! Kann das nur jedem
empfehlen, der mal Geld zuviel in der Tasche hat.
Nach
diesen Eskapaden wartete nun das TalentForum auf uns. Ill Nino waren dort zu sehen
und gingen wirklich böse ab. Ich kannte zwar nur
ein paar Lieder aber der Sound war einfach
so göttlich, dass man zu jedem Song mitgehen
musste (Unglaublich, wie der Sänger sich die
Seele aus dem Leib geschrieen hat). Direkt im
Anschluss ging´s mit einer Girlband weiter. He?
Girlband auf RaR??? Jawohl- Kittie waren am Start
und brachten die Definition von Metal mit
auf die Bühne. Einfach schockierend für die
gesamte Männerwelt, was die 3 Gören und
mittlerweile auch ein Mann da fertig bringen. So
hart und gleichzeitig butterweich sind nur
Kittie. Hab mir später sagen lassen, dass sich
drei Leute vor der Bühne im Gedrängel ein Bein
gebrochen hätten. Gegen halb zwölf war dann
4Lyn an der Reihe, die ich mir schon im Vorjahr
angeguckt habe und die auch dieses Jahr auf der
Pflichtliste standen. Im großen und Ganzen gut,
aber leiser als Ill Nino und Kittie. Bei
whooo war wirklich jeder am springen und auch die
neuen Songs vom neuen Werk Neon kamen
ganz gut an,
obwohl die da noch niemand kannte.
Nach
4Lyn hetzten wir dann im Laufschritt zur AlternaStage rüber, wo eigentlich schon
Muse
seit einer Stunde hätten spielen sollen. War
aber nix und erst um ein Uhr fingen die 3 endlich an
zu spielen. Das war vielen jedoch schon zu spät
und deshalb war superwenig los. Die Show
war mit Lichteffekten und Videoeinspielungen
verfeinert und war einfach phänomenal. Obwohl
Muse nicht zu meinen Lieblingsbands gehören war
ich hellauf begeistert. Vor allem Plug in Baby
und New born waren so gut, dass man
alles um sich herum vergaß und einfach nur zuhörte.
Leider sind wir dann nach ungefähr 45 Minuten weil Erfrierungsgefahr bei uns
bestand!
Sonntag:
Oh...Schon Sonntag! hieß es mal
wider am dritten und letzten Festivaltag am Ring. Dieser Tag
war der CenterStage-Tag, denn bis zu dem
Zeitpunkt, hatten wir uns ständig an den anderen
Bühnen aufgehalten. Gut, Freitag und Samstag war
auch wirklich schlecht auf der Größten aller
Konzertbühnen... Jamiroquai, Faithless, Santana,
Wyclef Jean oder sonstiger Müll.
Gegen 4 erlebten wir dann eines der letzten
Konzerte von Drowning Pool. Nur knapp 8 Wochen
später der Schock: Sänger Dave Williams wird
tot im Tourbus der 4 Musiker gefunden,
die gerade im Rahmen der OZZ-Feste 2002 getourt
hatten...
P.O.D
gaben danach ein paar Ständchen- ganz nett aber kein Extra-Ding. Bad Religion hat
mich dann doch eher angesprochen, obwohl ich nach
8 Songs echt genug hatte, weil es einfach
gitarren- und drumbedingt total monoton war,
außerdem kam viel zu wenig vom Gesang.
PunkRockSong und Sorrow
waren echt super, aber wenn man sonst nicht viel kennt,
wurde einem schnell langweilig.
Ein
bißchen nervös und gespannt wie ein Flitzebogen war ich dann schließlich auf System of
a
Down. Also echt, bin fast in der Masse zu Tode
gekommen und hab´ Menschen noch nie so
ausrasten sehen. Da wurde das kleine süße
Mädel von da vorne in Windeseile zur
headbangenden, rumschubsenden Rockerin und das
alles nur wegen Sergei und seinen
Kumpanen. Sehr positiv fand ich, dass System
nicht nur Songs von Toxicity gespielt haben,
sondern sogar schwerpunktmäßig vom Vorgänger
System of a Down. Musikalisch und
soundmäßig zwar echt schlecht, aber
lautstärkebedingt und bei mir lieblingsbandbonusbehaftet
(eigene Wortkreation) doch der Kracher und mir
machen Konzerte sowieso am Meisten Spaß,
wenn ich alle Lieder auswendig kenne!
Danach verzogen wir uns halb tot in die hinteren Reihen und lauschten den
musikalischen
Höhenflügen von Tool. Jeder Song wurde mit den
obligatorischen Videos von kleinen
verkrüppelten Wesen oder verzerrten
Menschenfratzen versehen. Das war jedoch für manche
Leute zu hoch, denn der Party-Metal von System
zum Abgehen war das sicher nicht. Tool ist
eben eine Klasse für sich, die meist bis zu 10
minütige Lieder ohne Refrain oder symmetrischen
Ablauf haben und das kam leider auf der
CenterStage nicht so gut an. Ich denke das Tool eine
wesentlich bessere Wirkung auf der
AlternaStage gehabt hätten und vor allem...
mit ausgewählten Publikum!!!
Total
am Arsch hatten wir danach nur noch Lust uns hinzusetzen und etwas ruhigeren
Klängen
zuzuhören. Vega4 am TalentForum kam da grade
richtig. Ein wunderbares Konzert. Fast alle
Leute saßen und hörten einfach nur der Musik
zu, anstatt zu gröhlen oder zu diven. Das ist die
wahre Kunst der Musik. Und zum Ende standen dann
doch einige auf und tanzten.
Sehr geiler Festivalabschluss!!!
Fazit:Geile Bands gesehen, Kartenpreis relativ Ok ( 75€ ), Wetter scheiße!,
Essen und
Trinken zu teuer, zu viele Bands, die auch in der
Bravo auftauchen könnten, Kultfestival,
160.000 Leute rund um den Ring, bis nächstes
Jahr!
michi.
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