fRkmagazine        
                    
                   

    

     >>> 06.6. - 08.6.2003: Rock am Ring .::. Nürburgring - Eifel 

    „Rock dein Ding an Rock am Ring – Pfingsten am Nürburgring mit 90 Bands auf drei Bühnen.“
    Mit Metallica, Marilyn Manson, Placebo, Audioslave, Deftones, Iron Maiden, Hives, Silverchair 
    und vielen anderen Bands auch dieses Jahr wieder ein Hammer-Line-Up und Garantie für über
    100.000 Festivalbesucher.

    Dieses Mal sollte angeblich alles anders sein, aber der riesige Topf der Gerüchteküche brodelte
    mal wieder, wie jedes Jahr, fast über. Neu war eine Trennung von Zelt- und Parkflächen, der ich 
    einen gewaltigen Schlüsselkratzer an meinem Auto zu verdanken habe (wenn ich diesen Wichser 
    finde...). Neu war auch, dass man nur noch mit Festivalticket zelten durfte, was aber schon 
    Donnerstags mächtig daneben lief, weil in den Zäunen rund um die Zeltplätze Löcher und 
    Lücken waren. Neu auch, dass nicht mehr vorhandene House of Comedy. Mein Zelt stand 
    dann schon Dienstags und ab Donnerstag abends gings dann los bis Montags.

    Aber da ich euch nicht mit ekelhaften Zeltplatz- und Saufgeschichten die Lust am Weiterlesen
    vermiesen will, kommen jetzt die Konzertberichte. 
        

    Freitag 06.06.03   Live on stage:
    Iron Maiden, Zwan, Cardigans, Maná, Lifehouse, The Donnas, Murderdolls, Reamonn, 
    Silverchair, The Hives, Dandy Warholes, Die Happy, Blackmail, Mia, Joachim Deutschland, 
    Whyte Seeds, Taproot, Mudvayne, Within Temptation, Theory of a Deadman, Molotov, Tape,
    Soil, Nothingface, Straight.

    Nach einer äußerst lustigen Nacht mit Bierschnorreraktionen auf der Strasse wie Rülpsen für 
    Bier, gegen Gebärmutterkrebs für Bier oder Laufen für Bier (war mit Abstand am Erfolgreichsten), 
    war der Freitag geradezu prädestiniert sich ins Getümmel zu werfen. Was mir auch sofort auffiel
    war, dass im Gegensatz zu den letzten Jahren schon extrem viel los war um halb drei Uhr 
    nachmittags. Deswegen kamen wir auch äußerst spät zur Centerstage, wo sich die lustigen 
    Puppen der Murderdolls ein Stelldichein gaben. Fand ich aber ziemlich lächerlich geschminkt 
    und die Härte der Musik wurde von den Clowns auf der Bühne nicht richtig rübergebracht. 
    Meiner Meinung nach ein billiger Abklatsch von Slipknot und Mudvayne, wobei ich zu „Dead in
    Hollywood“ sogar rhythmisch mit dem Kopf gewippt habe. Danach stürmten bei strahlendem 
    Sonnenschein „The Donnas“ die Bühne. 4 Mädels, die Rock´n Roll machen. Dagegen kackt 
    Kelly Osbourne musikalisch ganz schön ab, denn die Donnas waren gut, obwohl die kreischende 
    Meute vor der Bühne eher einen Strip der 4 hätte sehen wollen. Vor Lifehouse konnte ich mich
    dann mit den Anderen gerade noch so in Sicherheit bringen und hab mir stattdessen auf der 
    TalentForum Bühne Straight angeguckt. Ziemlich hart und laut gegenüber Donnas, aber genau 
    das Richtige für den Moment. Danach war Blackmail auf der Alternastage an der Reihe. Nich 
    so mein Ding aber soundmäßig, vor Allem der Bass, erste Sahne. Von hinten haben wir uns 
    dann Die Happy angeguckt, aber eigentlich auch nicht, weswegen ich dazu jetzt nichts sagen 
    kann. Dann endlich, The Hives und danach Silverchair, darauf hatte ich gewartet. Hives waren 
    sehr gut und haben die Menge so richtig zum Überlaufen gebracht, obwohl parallel dazu auf der
    Centerstage „Run to the hills“ für die Maidenfans ertönte. Lustig war die Show der Skandinavier 
    auf jeden Fall und die besten Songs kamen auch alle. Zum Ende haben sich The Hives dann 
    aber ein wenig zuviel feiern lassen und die Menge immer wieder „we love the Hives“ oder „the 
    best band on earth“ schreien lassen. Danach haben Silverchair so richtig lange aufgebaut und 
    als sie dann endlich zu „Emotion sickness“ auf die Bühne kamen konnte es kaum noch jemand 
    erwarten so richtig abzurocken. Aber weit gefehlt, denn die Setlist der 3 Australier war leider 
    eher einschläfernd. Ich habe mich echt extrem darüber geärgert, dass fast ausschließlich Songs
    der neuen Scheibe „Diorama“, die im Gegensatz zu den alten Platten mehr als scheiße ist, 
    gespielt wurden. Musikalisch und soundtechnisch waren Silverchair zwar eine der besten 
    Livebands, die ich bis dato gesehen habe, aber die überwiegend melancholischen Lieder wie 
    „Ana´s Song“ oder „Luv the life“ haben nicht zur Stimmung des Publikums gepasst. Dazu kam,
    dass Sänger Daniel Johns total besoffen war, demonstrativ eine halbe Flasche Korn gekippt hat
    und permanent scheiße geschwallt hat. Trotzdem war ich im Nachhinein doch vom musikalischen 
    Talent der Band erstaunt und werde mir Silverchair in Zukunft sicher noch einmal anschauen. 
    Das war´s soweit für Freitag!
 

    Samstag 07.06.03   Live on stage:
    Placebo, Audioslave, Evanescence, Apocalyptica, Stone Sour, Clawfinger, Emil Bulls, Dave 
    Gahan, Stereophonics, Reamonn, Badly drawn boy, Turin brakes, Tomte, The Ark, Saybia, 
    Surrogat, Hellacopters, Chevelle, In me, Underwater circus, Swosh, Virginia Jetzt!, 
    The sounds, Flogging Molly, Lucky7, Instuctive. 

    Ich weiß jetzt im Nachhinein, dass ich Samstags definitiv zu wenige Bands gesehen hab. 
    Nämlich nur vier! Dabei war der Tag so lustig. Bis in den späten Nachmittag hinein waren wir 
    damit beschäftigt, die Füße badend, Bier zu trinken, um somit den RockamRing Prinzipien treu
    zu bleiben. Zu Apocalyptika gingen wir aber dann doch mit circa 8 Leuten ins Festivalgelände 
    hinein. Mann war da viel los kann ich euch sagen – übel übel! Apocalyptika fand ich, und ich 
    glaub mindestens 35.000 andere Leutchen auch ziemlich langweilig, obwohl musikalisch 
    anspruchsvoll gut. Der Grund unseres weiteren Vordringens und Drängelns waren aber nicht 
    die nordischen Cello-Men, sondern die amerikanischen Alternative-Überflieger der letzten 
    Wochen. Evanescence waren hier am Ring auf der Centerstage kein Geheimtipp mehr, bei dem
    Andrang. Schon krass, dass sich eine Newcomerband mit nur einer Single draußen, schon als 
    dritt-Headliner des Tages etablieren kann. Wenn man bedenkt, dass zum Beispiel Clawfinger 
    schon mehr als ein Jahrzehnt bekannt sind und trotzdem als zweite Band nachmittags spielen 
    mussten, ist das schon eine großer Erfolg für Evanescence und sicherlich auch die größte 
    Crowd ihrer Live-Auftrittsgeschichte. Leider konnte ich dem Auftritt nicht so viel Aufmerksamkeit 
    schenken, weil ich ernsthaft damit beschäftigt war mich und vor Allem meine Freundin und eine 
    weitere Freundin vor dem wirklichen Zerquetschungstot zu beschützen. Gott sei Dank sind die 
    beiden dann von Securities aus der panisch drängelnden Menge heulend rausgezogen worden 
    und ich hab mich total schnell nach hinten verzogen. Aber das war sicher auch das erste Mal, 
    dass ich Angst in einer Menge hatte. Autsch meine Rippen schmerzen jetzt noch, wenn ich dran 
    denke. Das war dann auch Grund genug gewesen mich zuerst mal auf die VIP-Tribüne zu 
    verziehen und mir das Gedrängel gemütlich bei einem kühlen Bierchen aus einer VIP-Lounge 
    anzusehen. Von da oben habe ich mir dann auch sehr angeheitert, und später vielleicht zu 
    betrunken, um ein qualitativ hochwertiges Urteil über die Künstler auf der Bühne abgeben zu 
    können, Audioslave und Placebo angesehen. Audioslave waren meiner Meinung nach sehr geil,
    weil erstens der Sound überaus göttlich war, zweitens die Setlist mit Songs zum Springen und 
    zum Sinnen sehr gut gewählt war und last but not least die Lichtshow zusammen mit der 
    Bühnenaction auch der Hammer war. Obendrauf kam noch das Superwetter. Danach war erst
    mal Pause angesagt, denn der Linkin Park Ersatz Placebo musste bis ein Uhr nachts eine 
    Lichteffekte-Supershow aufbauen. Das war den meisten Leuten aber zu lang und die gingen 
    dann auch, sodass bei Placebo letztendlich nicht so viel los war, als bei Audioslave. 
    Ich verbrachte die Wartezeit mit feucht-fröhlichen Stunts und Polonaisen in der VIP-Lounge. 
    Sehr lustig war´s. (Hier noch mal ein Danke an meine Eltern und meinen Cousin Jörg). 
    Um kurz nach Eins füllte sich der Platz vor der Centerstage dann wieder mit Leuten. Mann, 
    ich war froh, dass Linkin Park ausgefallen waren und ich somit mal die Gelegenheit hatte 
    Placebo live zu sehen. Linkin Park war nämlich vor zwei Jahren eher bescheiden. Der Auftritt 
    von Placebo war dann anders als ich mir ihn vorgestellt hatte. Die angebliche Super - Laser - 
    Effekt - Mega - Lichtshow war eher spärlich in Grün getaucht, dafür hat der Sound aber um 
    so mehr geknallt. Von „Every me every you“, bei dem jeder mitgröhlte, über „Pure morning“ 
    bis hin zum neuen „Bitter end“. Die Mischung aus neuen und alten Songs war gut. Leider hat 
    „Nancy Boy“ gefehlt. Um viertel nach zwei war die Show dann vorbei!
    Danach war ich klinisch tot – bis Sonntag morgen...
 

    Sonntag 08.09.03   Live on stage:
    Metallica, Marilyn Manson, Deftones, QOTSA, Disturbed, Boysetsfire, Moby, Beginner, 
    ASD, Patrice, Saian Super Crew, Deichkind, Kool Savas, Creutzfeld & Jakob, Stahlofen, 
    Danko Jones, The Libertines, The Cooper Temple Clause, Rasmus, Mother tongue, 
    Hell is for heroes, Junior senior, Kaizerz Orchestra, Conic.

    Was? Schon wieder Sonntag?
    Die Zeit verflog auch dieses Jahr mal wieder viel zu schnell! Heute hatte ich mir dann aber mal
    vorgenommen mich wieder voll und ganz der Musik zu widmen. Leider habe ich Boysetsfire 
    dann doch verpasst, aber hatte auf Rheinkultur dann Gelegenheit sie von ganz vorne zu sehen. 
    Zu Disturbed waren wir dann wieder auf der VIP-Tribüne. Dann kam der Regen und ich war 
    froh ein Dach über dem Kopf gehabt zu haben. Von den Live-Qualitäten von Disturbed war ich
    sehr überrascht, vor Allem von der Stimme von Sänger Damien. Sehr gut. Den Leuten vor der 
    Centerstage hat der Regen dann auch nicht weiter den Spaß verdorben und die Stimmung war
    sehr ausgelassen und zu „Stupify“ und „Gone with the Sickness“ sprang dann jeder. Queens of
    the stone Age danach haben mir nich so gut gefallen, obwohl ich mich darauf vorher besonders
    gefreut habe. Wie die aktuelle CD „Songs for the deaf“ fand ich auch die Live-Performance der
    Amis ziemlich monoton und wie ich fand viel zu laut. Ausnahmelieder waren da nur „gone with 
    the flow“ und „No one knows“. Bleibenden Eindruck haben QOTSA bei mir also nicht 
    hinterlassen. Nach der Umbaupause merkte man dann auch, dass sich der Platz vor der Stage
    immer mehr füllte, weil es immer schneller auf Deftones, Manson und Metallica zuging. Doch 
    zuerst stürmten Chino und Crew die Bühne. Schon während dem ersten Song merkte man dann
    aber, dass irgendetwas mit der Soundanlage nicht stimmte. Die Gitarren zu leise, die Bässe zu 
    laut – jedenfalls hörte es sich nicht gut an. Dann ungefähr nach zwanzig Minuten fiel dann eine 
    komplette Boxenwand aus, was Deftones zum Pausieren zwang. Diese ließen sich aber die 
    Laune nicht vermiesen und unterhielten das Publikum eben anders. Ziemlich sympathisch fand 
    ich. Nach dem Auftritt lag dann irgendetwas in der Luft – ich glaube es war die ängstliche 
    Erwartungshaltung vieler Leute vor Marilyn Manson. Der wurde verspätet mit dem Heli 
    eingeflogen samt Band und zweier Schlampen, die tanzten. Der Sound und vor Allem der 
    Gesang von Manson war fett – anders als ich erwartet hatte. Böse Zungen munkelten später 
    sogar, dass der Gesang Voll-Playback war! Ich hätte auch nicht gedacht, dass die Menge so 
    abgehen würde, aber viele feierten den Schock-Rocker wie einen Gott. Gut gefallen hat mir 
    auch die Show. Zu „Mobscene“ tanzten leichtbekleidete Dirnen auf der Bühne. Alles was sie 
    anhatten waren Brüste und Vaginas aus Plastik, die aber von Weitem täuschend echt aussahen.
    (Ja ihr habt richtig gelesen!) Zu „Dope Show“ wurde eine riesige Pfarrerkanzel auf die Bühne 
    geschoben, auf der Manson dann predigte. Ferner wurden die Bandmitglieder geschlagen, 
    einem Bühnenhelfer wurde eine Flasche übergebraten und so weiter und so fort. Nach knapp 
    eineinhalb Stunden war der Spuk dann mit “Sweet Dreams“ vorbei und ich bemerkte, dass ich 
    fast jedes Lied gekannt hatte, obwohl ich keine CD von Manson besitze, oder mir bewusst oft
    seine Musik anhöre. Ziemlich kommerziell der Manson! Dann war der Moment gekommen auf 
    den, so glaube ich, die Hälfte aller RockamRing03-Besucher gewartet hatte. Als James, Lars, 
    Kirk und der neue Bassist, dessen Namen mir gerade nicht einfällt, auf die Bühne traten, ich 
    glaube sofort mit neuer Single „St. Anger“, da bebte der ganze Ring. Die Menge schreite so 
    verdammt laut, dass ich mir auf der VIP-Tribüne ernsthaft die Ohren zuhalten musste. Was 
    dann folgte war eine Abfolge von übelstem Heavy-Metal, von „Fuel“ bis „Justice for all“ und 
    später „One“ und „Enter Sandman“ – das hat vollkommen geknallt und war unglaublich laut! 
    Schade war nur, dass „the unforgiven“ gefehlt hat! Nach dem beinahe zweistündigen 
    Wutausbruch von Metallica nahmen sich die 4 dann noch Zeit, um äußerst ausgiebig ein Bad in 
    der Menge zu genießen! Sehr cool die 4! Die Nacht zum Montag war dann aber sehr kalt und 
    einsam und ich war dann doch froh Montags wieder nach Hause fahren zu können.

                  

    Fazit: Äußerst geiles Festival – richtige Mischung der Bands – SuperSound vor Allem auf der 
    AlternaStage – Preis von 99 € inklusive Parken und Camping auch vollkommen OK – Wetter 
    war der Hammer (so gut wie nie zuvor in den letzten 5 Jahren) – Nochmal Nochmal Nochmal        

    text, photos: michi