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     >>> 03.6. - 05.6.2005: ROck am RiNG .::. Nürburgring (Eifel)  

    In meinem glorreichen siebten Jahr am Stück durfte auch 2005 Rock am Ring,...  
    das übrigens sein 20-jähriges Jubiläum feierte, nicht in meinem Jahresplan fehlen. 
    Und trotz jährlich steigendem Eintrittspreis (105 €) und immer größerer notwendiger 
    Heimreise (450 km) zieht es mich immer wieder wie von Geisterhand auf die Rennstrecke; 
    zu den Darbietungen von über 90 Bands an 3 Tagen auf 3 Bühnen vor nicht weniger als 
    80.000 Zuschauern. Deutschlands größtes Festival platzte also auch dieses Jahr wieder 
    fast aus allen Nähten und so waren die meisten Campingflächen schon donnerstags morgens 
    hoffnungslos überlastet und trotzdem schoben sich die Autoschlangen weiter gemächlich die 
    Eifelhügel hinauf. Die Stimmung auf meinem Campingplatz (B5) war im Gegensatz zu den 
    Vorjahren äußerst ruhig und gelassen. Zwar ertönte auch hier ohrenbetäubende Musik und 
    Gegröle bis in die Morgenstunden, aber Schlägereien, außer Kontrolle geratende Feuerstellen 
    und komatöse Trunkenbolde und Verletzte haben sich nicht an jeder Ecke blicken lassen. 
    Vielleicht wird die Jugend aber einfach ruhiger … Lieblingsspruch dieses Jahr war meines 
    Erachtens nicht mehr die arme Helga, sondern die freundliche aber direkte Bekundung 
    „Du hast aber schönes Haar“. Mhh - Wem´s gefällt. Überraschend gut designed und 
    tatsächlich tragbar waren auch die sündhaft teuren Rock am Ring Merchandising-Shirts, 
    die wirklich eine Menge Käufer anzogen und deren Träger bald überall herumwuselten.

    Aber genug Vorrede, denn schließlich geht es bei einem Festival hauptsächlich um die 
    Musik, die in diesem Jahr wieder durch ein sehr abwechslungsreiches und meiner Meinung 
    nach sehr gutes Line-Up vertreten wurde. Auf den 3 Bühnen, Center Stage, AlternaStage 
    und dem Talent Forum gaben sich die verschiedenen Musikrichtungen ein Stelldichein. 
    Von aggressiven Metalchören zu Slayer, Iron Maiden, In Extremo oder Mötley Crüe über 
    Spaßrock á la Green Day, Noise Conspiracy, den Hosen, den Hives, Mando Diao und 
    Wir sind Helden, von Elektro-Klängen bei The Chemical Brothers oder The Prodigy bis 
    hin zu ruhigeren Tönen bei REM, Tocotronic oder Adam Green. Auch waren mit Mötley 
    Crüe, Billy Idol, Iron Maiden, REM oder Sonic Youth wahre Musiklegenden zu Gast, 
    um dem 20-jährigen Bestehen des Mega-Festes einen würdigen Rahmen zu geben. 

    Ein einziges Manko war wieder einmal die Überschneidung der Bands auf den verschiedenen 
    Bühnen zu gleichen Zeiten. Beispielsweise spielten Green Day und Life of Agony parallel, was
    ich nicht recht nachvollziehen kann, da Green Day Hörer größtenteils auch Life of Agony sehen 
    hätten wollen. Das gleiche Spiel bei den Hives und der Noise Conspiracy oder bei Tocotronic 
    und Madrugada. Mein Vorschlag wäre, dass sich nur Bands verschiedener Richtungen 
    überschneiden sollten, damit die Fans auch alles sehen können. Und für 105 € ist es wirklich 
    nicht schön ständig solche Überschneidungen hinzunehmen. 

    Zu den Konzertberichten. Mit 12 ganz gesehenen Auftritten habe ich zwar lediglich ein Neuntel 
    der anwesenden Bands gesehen, aber körperlich wäre nicht mehr drin gewesen, da ich nach 
    manchen Auftritten beinahe ins Sauerstoffzelt musste und auf den Brustwarzen aus der Menge 
    gekrochen bin. Preislich hätte ich für die Einzelauftritte der 12 einzelnen Gruppen aber weit 
    mehr als 200 € blechen müssen, wenn man alleine für REM oder Green Day circa 50-70 € 
    rechnen muss. Ein großes Festival ist also immer noch die günstigste Variante für den 
    Musikgenuss. 

    Los ging’s also in die freitags nachmittags noch überschaubare Menschenmasse. Grund war, 
    wie noch häufiger an diesem WE – Schweden. Mando Diao am Start. Sehr nette Show mit 
    den besten Songs der beiden Alben. Guter Sound, auch wenn ein bisschen zu gitarrenbetont. 
    Zu „Down in the past“ tanzten und sprangen circa 20.000 Menschen bei strahlendem 
    Sonnenschein und 30 Grad Celsius. Die Jungs hatten sichtlich Spaß und eine arme Gitarre 
    segnete am Ende des Konzerts das Zeitliche. Sehr geiler Einstieg also in das Festival. 
    Die Sonne brannte beinahe unerträglich weiter – die Menschenmasse vor der Bühne wurde 
    dichter und apropos dichter – mein Mischgetränk wurde leerer. Umbaupause zu Weezer. 
    Mhh…Weezer. Darauf hatte ich mich besonders gefreut. Nachdem das obligatorische 
    blinkende Weezer „W“ hinter dem Drumset aufgebaut war konnte es losgehen und die 
    symphatischen Kalifornier enterten die Bühne. Was für ein komischer Vergleich zum Mando 
    Diao Auftritt, während die nämlich mit schnöden Extracoolness-Frisuren und Outfits punkteten, 
    standen die Weezer-Jungs in schrammeligen Jeans und zerzaustem Haar eher schüchtern vor 
    einer beachtlichen Menge. Schüchtern war der Auftritt jedoch nicht und Kenner und 
    Nicht-Kenner kamen zu „Photograph“, „Islands in the sun“ und natürlich „Hash Pipe“ voll 
    auf ihre Kosten. Und als dann am Schluss „Buddy Holly“ aus den überdimensionalen Boxen 
    ertönte stand mein erstes Highlight des Jahres schon fest. Sehr zu empfehlen, obwohl Weezer 
    selbst sich kaum zu den Songs bewegten, noch aggressiv die Fans zum Mitmachen aufforderten.
    Danach wurde der so coole Nachmittag von einer eher misslungenen Besetzung, namens 
    Maroon 5, gestört. Völlig fehl besetzt zwischen Weezer und Incubus. Das merkte man auch 
    in dem Strom der Ausreißenden. Trotzdem konnten wir unsere Plätze vor der Bühne nicht 
    aufgeben, wollten wir doch Incubus, Green Day und schließlich REM aus nächster Nähe 
    betrachten. Also eine knappe Stunde Teenie-Geheule, das mich sehr an Viva-Nachmittage 
    mit Justin und Britney erinnerte. 

    Dann aber endlich…nach ihrem grandiosen Auftritt 2004 in der Düsseldorfer Philipshalle, 
    dem ich glücklicherweise beigewohnt hatte, begannen Incubus ihre Spielzeit mit einem meiner 
    Lieblingssongs „Circles“. Die Menge kochte. Dann folgte Schlag auf Schlag und neben vielen 
    Songs der letzten Platte „A crow left of the murder“, von dem natürlich „Megalomaniac“ nicht 
    fehlen durfte, kamen auch Kenner der besseren Incubus-Werke mit „Pardon me“, „A certain 
    shade of green“ und „I wish you were here“ nicht zu kurz. Nur „Drive“ wurde, wie schon in 
    Düsseldorf, der kreischend fordernden Menge vorenthalten. Die Stimmung war grandios, 
    aber Brandon Boyd und seine Crew wirkten eher robotisch und spielten ihr Set ohne große 
    Überraschungen runter. Nun gut, man kann ja nicht ständig auf der absoluten Höhe sein. 
    Dann, nach abermals kurzer Umbauphase, in diesem Jahr wirklich positiv, stieg mit der 
    Spannung auf Green Day auch noch die Dichte der Menschen pro Quadratzentimeter. 
    Nach einem kurzen Bühnenintermezzo eines sturzbetrunkenen Rosa-Hasen…My lovely 
    Mister singing Club (dt. Mein lieber Herr Gesangsverein) brach das Feuerwerk und der 
    Begeisterungssturm von 70.000 Menschen zu „American Idiot“ los. Schnell wurde in der 
    Menge klar, dass es ums pure Überleben ging. Zehn Meter nach vorne, vier nach rechts, 
    gleichzeitig zwölf nach hinten links. Die Menge völlig außer Rand und Band. Zweiter Song 
    mit fast 9 Minuten „Jesus of Suburbia“, ebenfalls auf dem neuen Album. Die Band äußerst 
    gut gelaunt. Stellte während des Konzertes eine komplette Band aus Fans zusammen, von 
    denen der Gitarrist sogar die Gitarre behalten durfte. Zu „Basket case“ und „Minority“ gab 
    es kein halten mehr und es wird noch enger. Die Band trug dekadente Königsmäntel oder 
    Kronen. Sehr witzig. Nach beinahe 1,5 Stunden dann das Ende mit einem äußerst genialen 
    Queen-Tribut, zu dem „We are the Champions“ aus abertausenden Kehlen schallte. Und 
    schließlich das melancholische Gitarrensolo „Good Riddance - Time of my life“, das 
    mindestens genauso viele Menschen mitgröhlten. Ein Wahnsinnskonzert. In der 
    Umbaupause dann die ersten Regentropfen, die sich im Laufe des Headliners REM 
    zu Platzregen entwickelten.  

    Um kurz nach 11, fast 9 Stunden nach Mando Diao forderten schließlich Regenkälte, 
    die erschöpften wackligen Beine und auch härtere Töne mit Slipknot auf der AlternaStage 
    ihren Tribut und so hatte man bei REM erstaunlich viel Platz, obwohl gerade hier die enge 
    Masse gegen die Kälte nützlich gewesen wäre. Zum Konzert: Der beste Sound in diesem 
    Jahr. Perfekt aufeinander abgestimmt, sodass auch ruhigere Lieder geknallt haben. Auf der 
    Playlist hätten jedoch viel mehr alte Songs Platz haben sollen, denn darauf wartete die Menge. 
    Trotzdem merkte man bei „Losing my Religion“, „Everybody hurts“ oder „The Great Beyond“, 
    dass diese Band, neben den Stones, U2 oder Pearl Jam, zu den lebenden Legenden gehört. 
    Mein persönlicher Höhepunkt war aber „The One I love“. Herrlich so ganz durchnässt 
    herumzuspringen. Auch Michael Stipe und seine Bandkollegen machten keine Anstände 
    und waren ebenfalls wet wet wet. Einen würdigen Abschluss des sehr geilen Tages bildete 
    dann „Man on the Moon“, zu dem abermals tausende friedlich sangen. Geradezu lächerlich 
    grotesk wirkte dagegen das Gehampel der maskierten Slipknot-Gang beim Nachhauseweg 
    auf der AlternaStage. Aber hier auch. Wem´s gefällt. 

    Die Nacht war kurz und kalt und die Morgenstunden von undefinierbarer schlechter Musik 
    auf dem Campingplatz geprägt. Nach der obligatorischen Ravioli-Dose und der ersten Büchse 
    Gerstensaft wurde der regnerische Nachmittag mit Eierlikör und mindestens 57% Fruchtbowle 
    begossen. Pünktlich zum Auftritt der äußerst genialen Thievery Corporation stand man dann 
    wieder im noch nicht vorhandenen Gedrängel. Wirklich nichts los vor der AlternaStage um 
    halb Sieben abends. Trotzdem kam zu spanisch-französisch-englischen Raggea-Beats mit 4 
    wechselnden Sängern und einem Hammer-Sound Stimmung auf. Leider war das Konzert nur  
    knappe 35 Minuten lang und schon standen Feeder in den Startlöchern. Komischerweise 
    waren hier überdurchschnittlich viele ältere Leute anzutreffen. Das Konzert war sehr gradlinig 
    und „runtergespielt“ und ebenfalls nach 40 Minuten vorbei. Dann wurde es beachtlich enger 
    und auch voller. Wahnsinn, dass es Tocotronic gegen Mötley Crüe und Marilyn Manson 
    geschafft haben so viele Menschen anzuziehen. Mit Schals und langen Jacken kamen die 3 
    schließlich gegen halb neun auf die Bühne und begrüßten die wartenden Fans mit einem netten 
    „Hallo, wir sind die Band Tocotronic“. Mein Highlight war „Nein Danke“, zu dem sich wieder 
    die ganze Menge hin- und her schob. Leider blieb der Wunsch nach „Let there be rock“ von 
    der Band unbefriedigt und so verschwanden Tocotronic so leise und bedächtig, wie sie 
    gekommen waren. Dann stieg meine Spannung. Sonic Youth waren bereit die Bühne zu 
    betreten. Ich hatte ja keine Ahnung. Vom Hörensagen und aus dumpfer Erinnerung konnte 
    ich mich vage an einen oder zwei Songs erinnern, aber die alten Herren und Damen von 
    Sonic Youth, die schon Nirvana als Vorbild dienten belehrten mich eines Besseren. 
    Unglaubliche Gitarrenarrangements und vollkommen psychotische Ausraster seitens der 
    Bandmitglieder ließen die Kinnladen so mancher Zuschauer fallen. Hammer-Vorstellung…
    werde mir sofort alle Alben kaufen !!!;)  

    Danach wurde meine Geduld jedoch noch mal auf eine harte Probe gestellt, da es noch 
    Garbage bis zu den unbelievable Hives zu durchstehen hatte. Puuh! Durststrecke im wahrsten 
    Sinne des Wortes. Shirley Manson und Kompanie hörten sich, zumindest für mich, so sonor 
    und langweilig gleich an, dass ich nach 2 Songs genug hatte. Trotzdem rasteten einige Menschen
    im Publikum schier aus, als die kühle Rote die Bühne betrat. Aber auch hier wieder zum Dritten: 
    Wem´s gefällt. Dann kurz nach Geisterstunde war der Platz vor der AlternaStage zum Bersten 
    vollgestopft mit Menschen, die schon vor dem schwedischen Gewitter unaufhörlich nach 
    „We love the Hives“ krampften. Wahnsinn, welche Herscharen so magisch von dieser Truppe 
    angezogen werden und diese dann auch noch, fast in Beatles-Manier, begeistert werden. 
    Als die Nordlichter dann endlich die Bühne betraten wurde geschubst, geschoben, gedrückt, 
    geschrieen, gehüpft und teilweise geschluchzt. Mir wurde es nach dem Opener „Main Offender“
    schon so bedrohlich eng und stickig, dass ich mich zwecks besserer Sicht und Musikgenuss ein
    bisschen zur Seite orientierte. 

    Der 90-minütige Auftritt war, wie schon 2003, mit komödiantischen Einlagen, wie dem 
    völligen Stillstand aller Bandmitglieder inmitten eines Songs, und intendierten und inszenierten 
    Massenaurufen gespickt - a la „Tell me the name of the best band on earth…The Hives!“ 
    oder „Who do you love???...The Hives!“. Neben alten Klassikern wie „Hate to say I told you 
    so“ wurden hauptsächlich neue Songs der aktuellen Scheibe „Tyrannosaurus Hives“ präsentiert 
    und ich muss sagen, dass diese wirklich Lust auf das Album gemacht haben. Um kurz vor halb 
    Zwei war dann Sense und ich war noch mehr als reif für die Insel. 
 

    Sonntags musste ich mir, wie schon im Vorjahr, aufgrund universitärer Pflichten und fast 500 km
    Heimweg leider schenken, aber glücklicherweise hatte ich alle Bands, die ich unbedingt sehen 
    wollte auch gesehen. Nachts auf MTV konnte man dann noch verfolgen, wie die Toten Hosen 
    zum wiederholten Male die Masse zum Brodeln brachte und als Überraschungsheadliner das 
    20-jährige Rock am Ring Jubiläum zu Ende führten. 

    Mein Fazit in diesem Jahr: 
    1.) Es muss definitiv mehr Eierlikör aus Schokowaffeln getrunken werden
    2.) Bands gleicher Stile dürfen sich nicht mehr in dem Maße überschneiden 
         à Brief an die Festivalplaner         
    3.) Wir alle sollten uns mal eine Scheibe von Sonic Youth abschneiden
    4.) Maroon 5 gehören zu „The Dome“, oder den RTL II-News
    5.) Ich mag Weezer 
         (hier bei der Aussprache des W´s  die Unterlippe auf die oberen Schneidezähne legen) 
    6.) Regen gehört doch irgendwie dazu
    7.) Preis tut zwar vorher weh, aber nachher ist man trotzdem froh, deshalb…
    8.) …im Nächsten Jahr wieder zum Achten 

    text: michi