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03.07.2004: R(h)einkultur .::. Bonn -
Rheienauen
Menschen sind schon perverse und komische Wesen. Wenn es etwas umsonst gibt,
dann kriechen sie zu Zehntausenden aus ihren
Löchern, wenn es kostet nur zu Hunderten.
So auch wieder an einem flauschigen Samstag in
der ehemaligen Bundeshauptstadt. Bereits
im glorreichen 21. (!) Jahr feierten bei der
aktuellen Rheinkultur-Ausgabe 130.000 Menschen
mit mehr als 50 Künstlern, die ihr Können auf 5
Bühnen präsentierten (Immerhin die 32,5
fache Zuschauerschar als im
Rheinkultur-Debütjahr 1983 nur so zur Info auch übrigens:
200.000 Besucher in den Rekordjahren 1994 &
1995).
Das
alles auf dem schönen und großzügigen Gelände des Rheinauenparks zwischen Bonn
und Bad Godesberg mit Ausblick auf das
Siebengebirge und den ultraschicken und
chamaeleonartigen Post-Tower. Hört sich ja alles
schon mal sehr positiv an, also wo bleibt
der Haken? Käpt´n Hook hat meiner Meinung nach
dann doch zweimal zugeschlagen.
Der
erste Haken: Das Wetter. Schneller und aggressiver Wechsel von lustigem Platzregen
und brennendem Sonnenschein. Dabei ging das
personifizierte Wetter äußerst hinterlistig vor.
Hatten sich tausende Menschen gerade schützend,
jedoch mühevoll, Regencapes, Mäntel und
Kapuzen übergestülpt, verzog sich das freche
Schauerwölkchen sogleich, um sich kurze Zeit
später über die sich gerade wieder
entblößende Menge erneut zu ergießen.
Der
zweite Haken: Die Festival-Atmosphäre. Bedingt durch den Kostenlos-Werbeeffekt und
die Angst vieler Festivalbesucher etwas
kostenloses zu verpassen, verbreitete der Ort und seine
Besucher eher eine Jahrmarktstimmung als echtes
Festival-Feeling. Eine Tendenz, die sich mir
auch im Vorjahr schon negativ bemerkt gemacht
hatte. Zu den soundtechnischen Leistungen
der Tonmischer sei zu sagen, dass diese, sowohl
2003 als auch 2004, nicht zu Höhenflügen
aufgelegt waren. Die Lautstärke war oft zu leise
gepegelt und überhaup war der Klang im
Gesamten nicht rund.
Trotzdem gaben Mother Tongue ein recht ordentliches Konzert. Erinnerte mich ein
wenig
an den ChiliPeppers-Auftritt von RockamRing04.
Nackte Oberkörper, groovige und oftmals
jamende Rhythmen und ähnliche mehrstimmige
Gesänge ließen eindeutige parallelen zu Anthony
Kiedis und Co zu. Positiv war auch der anhaltende
Sonnenschein während des einstündigen
Konzertes. Songs der zurückliegenden Alben
Mother tongue (94), Streetlight (2002) und
Ghost Note (2003) wurden
abwechslungsreich gemischt präsentiert und das Publikum
groovte und swingte eifrig mit. Nach solchen
Schwenk-deine-Taillie-Einlagen war es Zeit für
einen Bühnen- und Location-Wechsel.
Auf
zum Kraterhügel zur Drum&Bass-Area, wo Phace & Misanthrop zu Platzregen
auflegten.
Zwar kann ich mich nicht gerade als Kenner des
Métiérs präsentieren, aber meine Subjejtivität
flüsterte mir Gefallen an der Sache ein. Zudem
rutschte ein Betrunkener und äußerst lustiger
Geselle mehrmals auf dem glitschigen Untergrund
aus und fiel teilweise unsanft und manchmal
spektakuär auf´s Gesicht (nein ich bin nicht
schadenfroh).
Danach stand bei erneutem kurzen Sonnen-Intermezzo ein Spaziergang über das ganze
Festivalgelände an. Wir kamen vom Kraterhügel
zur HipHop-Stage, wo äußerst lächerliche
Gangsta-Rapper verzweifelt versuchten das
Publikum zu HeyHo-Mitmachaktionen zu bewegen.
Doof.
Dann die Skate-Area mit 2 Halfpipes, auf denen das weibliche Geschlecht nicht gerade
sein Können unter Beweis stellte und die Pipe
ohne sofort zu stürzen nicht befahren konnten.
Trotzdem Respekt für den Mut das vor Publikum zu
zeigen. Vorbei ging es an tausenden
Essensbuden und Jägermeister-Merchandising-Ständen zur Roten Bühne, auf der
Blackmail
gerade ihre Musik zum Besten gaben. Aber auch
hier klang das Gesamtgemischte eher dumpf
und fern.
Wieder ging es weiter und vorbei an tausenden Essensbuden und
Jägermeister-Merchandising
- Ständen zur Blauen Bühne, wo gerade die
Umbauphase Phase war. Hinüber zum Funpark
mit Bungee-Kran, am See vorbei zur Endstation
dem Grünen Bühnchen. Hier herrschte eine
so entspannte Stimmung, dass sich die Zuschauer
noch nicht einmal die Mühe machen zu
stehen, sondern zu Teitur sitzend oder liegend
den leisen Solo-Gitarrenklängen zu lauschen
sehr friedlich und schön.
Als
Headliner der Bühne füllte der Bonner Heimspieler Götz Widmann gegen Neun Uhr den
kleinen Platz noch mit hunderten Menschen. Seine
ausgelassene und lustige Art und seine
melodischen Mitsing-Stücke, die ein wenig
Country Roads-Feeling unters Volk mischten,
brachten die Rheinkultur doch noch zu einem
schönen Ende für mich. Also nächstes Jahr
zum Dritten.
text:
michi
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