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    Digital ist besser :: Tocotronic - Videodreh - Review 
    So wird es nie wieder sein. Ich, der noch nie was gewonnen hat, als Statist beim Tocotronic – 
    Videodreh. 200 weitere tun es mir  gleich. Lado rief, die Fans kommen. Nicht in Strömen, nur 
    der Regen. Wegen der Band, 420 km fahren. 105 für jedes Mitglied. Die sind ja neuerdings zu
    Viert, was natürlich wieder Maulen auf den Plan ruft. Rick McPhail, der neue Mann, machte 
    seine Sache aber sehr gut, wie ich später feststellen sollte. Kein Grund zu meckern.

    Nun, zurück zum Dreh: Ende der 80er ging ich schon mal als Blume, beim Fasching im 
    Kindergarten. Heute als Baum mit orangenen Streifen. Es hieß „Styling: Schwarze, grüne und 
    graue Sachen bevorzugt. Nicht zu viel Farbe“. Orange ist viel davon.  Auf den Ärmeln meiner 
    Trainingsjacke. Solche wird heute kaum wer anhaben, Mid 90’s Tocotronic sind tot. Hamburg 
    „Planten und Blomen“, Musikpavillion. 

    Etwa 30 Leute stehen im Regen, frieren, freuen sich womöglich das wir nicht 1995 haben, 
    da wären  wohl mehrere erschienen und die eigene Chance sich später im Fernsehen wieder 
    zu finden, geringer ausgefallen. Ich treffe Pia, die ich schon die letzten zwei Tage erfolglos 
    versuchte zu erreichen. Auf die ich 2 ½ h am Hbf. wartete. Bei der ich pennen sollte später. 
    Doch noch getroffen, sonst wäre das eine üble Nacht am Bahnhof gewesen. Ohne genug Geld 
    für Ticket, Pennplatz, ohne jemanden hier zu kennen. 

    Die Band mischt sich unter die Statisten, keine wichtigtuerischen Musiker, die im warmen Bus 
    sitzen, während die Komparsen bibbern vor Kälte. Gefroren wird hier kollektiv. Die ersten 
    Instruktionen der Filmcrew. Das Konzept stellt ein Konzert einer Band da, Name vergessen, 
    die in den 80er Jahren an selber Stelle spielte. Bei dem Konzert bewarfen die Besucher die 
    Band mit Bechern, Dosen und nahmen anschließend die Bühne auseinander. Wenn ich das 
    richtig verstanden habe. Es gibt Requisiten, in Form eben jener Wurfgeschosse, und manch 
    einer fühlt sich wie im richtigen Film. Playback, Dirk, Jan, Arne und Rick auf der Bühne. Wir 
    werfen die Becher beim Stichwort und im Refrain hüpft man mit erhobenen Armen. Ein paar 
    Wiederholungen. Wir würden das toll machen, aber alles geht noch einen Tick besser. Oder 
    es gibt kleine technische Probleme. Die Stimmung ist sehr locker. Dirk redet viel, manchmal 
    müssen wir lachen. Auch die Filmmenschen sind gut gelaunt. 

    In Szene 2 wird  dann „so richtig abhoolen“ von uns verlangt. Vier Jungs aus der ersten Reihe 
    dürfen auf Dicken machen. Nummer 1, Pholy, entert, nach den Becherwürfen, die Bühne, 
   stachelt das Publikum an, rennt zu Arne, tritt eine Trommel um, die dann auch noch die Snare 
    mit runterreißt. Schon beim Tritt folgt Jan, ein Rücken wie ein Metzger, Oberarme, Schultern, 
    im XXL  Format. Bierbauch inklusive. Oben ohne stürmt er die Bühne, stemmt den Verstärker 
    hoch, prollt, schmeißt ihn in Stücke und verschwindet. Zwei weitere Auserwählte dürfen 
    randalieren, danach die anderen aus den ersten Reihen die Bühne entern. 

    Vorgabe: Es soll nicht brutal sein, aber so aussehen. Also schreien, fuchteln, schuppsen und 
    rempeln. Auch die Band an.  „Ich will mein Geld zurück“, „Alles Verarsche“ so was wird dann 
    gerufen. Die Regie macht das wunderbar vor. Herrlich. 

    Jetzt kann ich mir nicht nehmen lassen, Jan zu berühren. Später dann noch Arne, auch diese 
    Szene wird öfter gedreht. Die Band spielt natürlich weiter. Bzw. playbackt.

    Zwischen drinnen, während ein Teil der Crew umbaut, gibt’s Erbsensuppe und Glühwein. 
    Man ist herzlich. Die dritte und letzte Szene für uns, ist eine Zusammenfassung der ersten 
    beiden. Während vorne ein paar Leute stehen, tanzen, hüpfen, skandieren, Becher werfen, 
    tanzen hinten ein paar um ein Feuer. Dort wirft man auch Becher rein, feuert einen der vier 
    Proleten an, der nun einen Verstärker ins Feuer wirft. Alle feuern ihn an, animieren ihn, jubeln 
    nach seiner vollbrachten tat. Nüchtern den Hool geben, ist so schwer. Alles tut weh, aber 
    Mensch ist glücklich. Was tut man nicht alles, um irgendwie seine Lieblingsband aus der Nähe
    zu sehen und womöglich später im TV aufzutauchen. Meine Hose unten  zerrissen, matschig, 
    nass vom Dauerregen. Egal! 

    Wir erfahren, dass einige Szenen, und zwar die wo die Band Verletzungen hat, eben wegen 
    den Becherwürfen und Attacken, schon am Tag davor aufgezeichnet wurden. Nach unseren 
    drei Szenen, geht es noch weiter. Nun ohne Komparsen. Man kann zwar bleiben, aber Pia 
    und ich treten doch lieber den Heimweg an.  Jetzt heißt es wohl 1 ½ Monate warten, bis das 
    Video auf der Mattscheibe läuft und man endlich weiß, ob man seine Visage sieht. Oder einem 
    nur ein „Hey Mama, Papa, Schwester, Bruder, Oma, Opa, Tante, Onkel Freunde, Freundin 
    und gehasste das bin ich! Hey das bin ich! Ich schwör, ihr kennt doch meine Hose? Das ist 
    der Fleck vom Mc Dreck Menü! Weißt du noch?  Komm du weißt das doch! Im Mc Donald’s
    da waren wir doch vorher auf der Hinfahrt! Das bin ich!“, übrig bleibt. Schöner Abend.

     Bilder vom Videodreh gibt’s übrigens unter: www.tocotronic.de/videodreh

    Tocotronic: Neues Album „Pure Vernunft Darf Niemals Singen“ VÖ 17.01.2005 /  Erste Single
    „Aber Hier Leben, Nein Danke!“ VÖ 24.01.2005 alles auf Lado.

    Im Netz: www.tocotronic.de 

    text: Kevin Goonewardena // www.emopop.net